Gestatten, mein Name ist Geist. Herr Geist

Wir schreiben den 25. Quartus im Jahre 1667 nach dem Propheten. In Montaigne bricht das Frühjahr an. In der kleinen Provinz La Motte verging der heutige Tag ohne großartige Vorkommnisse. Der Lehensherr über ein kleines Dorf namens Pays d'or verte, der vor einem halben Jahr aus Castillien zurückkehrte und seine schwere Krankheit auf wundersame Weise bezwungen hatte erwartete diesen Abend Gäste. Es wurde zur Tradition, dass wann immer er eine längere Reise antritt, ein gesellschaftlichen Abend mit engen Freunden verbrachte.

An diesem Abend trafen ebenso zwei Fremde in dem kleinen Dorf ein. Der avalonische Barde namens Rory und der eisenländischer Forscher Georg von Drachenfaust. Beide wurden angezogen durch die Geschichten, die man sich über die kleine zentralmontaignische Provinz erzählt. Hier sei mit Begegnungen der übernatürlichen Art zu rechnen.

Die beiden Männer ließen sich in dem örtlichen Gasthaus nieder und lernten sich dabei kennen, als sie mit der Fremdenfeindlichkeit der Einwohner konfrontiert wurden. Zu einem unglaublichen Wucherpreis wurde ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Dies ließen sich die beiden Adeligen nicht bieten und wurden trotz später Stund beim örtlichen Adel vorstellig.

Zur selben Zeit traf bereits der erste Gast des Lehensherren ein. Ein entfernter Verwandter. Sie begrüßten sich dem Anlass entsprechend und unterhielten sich über Ihre gemeinsame Vergangenheit. Als es an der Tür läutete. Die beiden Besucher beschwerten sich über die Zustände und das Verhalten den Gästen gegenüber. Das Problem wurde kurzer Hand geklärt, als der Herr des Dorfes seinen Sekretär mit den Fremdländern zurück in das Gasthaus schickte. Außerdem gingen Sie auf Grund Ihres Besuches eine Wette ein. Der Avalonier, Sportsmann wie er ist, sprach, dass er sobald er einen Geist sieht, die Differenz des Wucherpreises zu dem neuen Preis als Wetteinsatz an den montaignischen Blaublüter zahlen würde. Der Montaigner hingegen würde zahlen, wenn der Barde keinen Geist zu Gesicht bekäme. Wohlwissend, dass diese Wette so gut wie gewonnen war.

Während der Sekretär die beiden Besucher zurück in das Gasthaus begleitete, trafen die Gäste des Adeligen ein und das kleine Abendbankett konnte beginnen. Die Fremdländer zahlten für schlichte Zimmer und warme Betten einen angemessenen Preis und bereiteten sich auf die Nachtruhe vor. Der Zufall wollte es, dass die beiden Zimmer direkt nebeneinander lagen.

Während der Mann von der inishen Insel noch zu wach war, bettete sich der eisenländische Forscher bereits zur Ruhe, während sein Diener im Nebenraum des Zimmers zu Gange war. Plötzlich ertönte ein Schrei und der Diener kroch rückwärtig aus dem Nebenraum, gefolgt von einer matt-weiß leuchtenden, transparenten Gestalt, die in der Luft zu schweben schien. Der Anblick dieser gespenstischen Erscheinung ließ Georg das Blut in den Adern gefrieren. Der Blick aus den leeren Augen des Geistes fixierte ihn und machte ihn vor Furcht bewegungsunfähig.

Rory hörte im Zimmer nebenan den spitzen Schrei und machte sich mit seiner treuen Pistole auf zur Nachbartür. Diese war verschlossen und auch auf Klopfen und Rufen reagierte niemand im Inneren. Rory entschied sich, durch das Fenster seines Zimmers hinauszusteigen um in Georgs Zimmer blicken zu können. Waghalsig, aber gekonnt hangelte er sich über die Fassade bis zum anderen Fenster. Ein Blick in dem Raum verriet ihm, welche Ursache der Tumult hatte. Mit dem Unterkörper im Bett verschwunden, starrte der Geist Georg an. Rory öffnete das Fenster und stieg hinein. Zunächst versuchte er vergeblich, den Geist anzusprechen. Erst als er in sein Blickfeld trat, vernahm der Geist dessen Präsenz.

Rory stellte dem Geist Fragen über seine Existenz. Diser antwortete jedoch nicht. Rory fand schnell heraus, dass der Geist scheinbar nicht über die Gabe des Sprechens verfügte und somit verständigte sich der Geist mit einem einfachen Kopfnicken oder Kopfschütteln.

Plötzlich verschwand der Geist durch den Boden hindurch. Georg und Rory folgten dem Geist und begaben sich in den Gastraum. Der Schankraum war vollkommen verändert. Jeder Gegenstand im Raum schwebte langsam um die eigene Achse rotierend im Raum.

Rory ging bedachten Schrittes durch den Raum auf den Geist zu. Plötzlich glitt der Geist wieder durch den Boden davon und in diesem Augenblick fielen alle schwebenden Möbel mit einem Schlag nach unten. Rory stand ungünstig mitten im Raum, direkt unter einem schwebenden Stuhl. Dieser fiel ihm auf den Kopf und warf ihn zu Boden. Der Stuhl zerbarst und Rory erlitt eine leichte Verletzung. Während Georg im zu Hilfe eilte, entdeckten die beiden direkt vor dem Barden einen Ring für eine Falltür. Mit vereinten Kräften öffneten sie den geheimen Durchgang nach unten. Eine alte Metallleiter führte hinab in den finsteren Untergrund.

Dort trafen sie das Gespenst erneut. Es schwebte über einem Skelett. Während Georg die Fackel hielt, nahm Rory den toten Mann unter Augenschein. Den Überresten und dem Aussehen des Geistes zu urteilen stammte er aus der Zeit des Numanischen Imperiums. Vermutlich war der Mann eine Wache des Landes, welches später einmal Montaigne heißen sollte. Er ist wahrscheinlich während der Eroberung durch das Imperium gefallen.

Sie bemerkten, dass sie auf einen langen Tunnel gestoßen sind. Diesem folgten die beiden und entdeckten unterwegs noch ein paar Skelette, wahrscheinlich Kameraden des Geistes. Am Ende des Tunnels gab es eine weitere Leiter zu einer Falltür. Georg lauschte oben angekommen an der Holzklappe und konnte Stimmen hören, die montaignisch sprachen. Er verursachte durch seine Dracheneisenpanzerhand, ein Erbstück seiner Familie, ein nicht zu überhörendes Kratzgeräusch.

Der Lehensherr fand sich mit seinen Gästen an seiner langen Speisetafel wieder. Gemütliches Speisen in Gesellschaft und ein anschließendes Kartenspiel standen auf dem Plan. Als alle Gäste gesättigt waren, wurden die Karten gezückt. Der Abend schritt immer weiter fort, der Wein des Lehensherren wurde verköstigt und in Lobpreisungen gewürdigt. Plötzlich wurden die Gespräche durch ein lautes Kratzen unterbrochen. Die Anwesenden suchten mit Ihren Blicken nach der Ursache, konnten jedoch nichts finden.

Sie bemerkten, dass das Geräusch seine Ursache unter dem Tisch verbarg. Dieser wurde mit Manneskraft zur Seite gehoben und eine Falltür wurde unter dem Teppich freigelegt. Vorsichtig wurde diese geöffnet und der Lehensherr blickte in die bekannten Gesichter der beiden Fremdländer. Die Erkenntnis über den Tunnel wurde weitergegeben und die Herren wurden zurück zum Gasthof begleitet, gingen jedoch mit einer Einladung des Lehensherren von danne, am Tage darauf vormittags auf dem Anwesen des Adeligen weiter darüber zu sprechen.

Der Verwandte des Lehensherren forderte den Adeligen zum Gespräch unter vier Augen auf. Am nächsten Tag kam es im Büro dazu. Geheimnisse über die Vergangenheit wurden ausgetauscht und vielleicht sogar ein Bündnis zweier Männer mit einem ähnlichen Leben geschlossen.

Die beiden Fremdländer erwachten gut erholt im Gasthaus. Bald würden Sie zur Residenz des Adeligen schreiten, um weiteres zu besprechen. Doch alle Beteiligten ahnten nicht, dass auf der Straße zum Dorf, noch eine halbe Stunde entfernt, eine Kutsche von galoppierenden Pferden angetrieben, weitere Schwierigkeiten mit sich bringen würde.

Verfrühte Abreise

Rory und Georg beendeten ihre Vorbereitungen und verließen das Gasthaus. Vor der Tür hielt eine Kutsche. Ein gehetzt aussehender junger Eisenländer stieg aus, bevor der Kutscher seinen Fahrgästen die Türe öffnen konnte. Er ging schnellen Schrittes davon.

Ein weiterer Adeliger schien mit dieser Kutsche angekommen zu sein. Der Mann war offensichtlicher Herkunft aus Vendel. Er versuchte, in dem selben Gasthof unterzukommen, da seine Kutsche erst am nächsten Tag weiterreisen konnte. Der Wirt zeigte sich ähnlich wie bei den letzten auswärtigen Gästen von seiner halsabschneiderischen Seite.

Der politische Ratgeber aus Vendel beschloss, sich bei dem Adeligen des Dorfes zu beschweren. Daher begab er sich auf den selben Weg wie die beiden anderen Fremdländer. Er holte Georg und Rory ein und stellte sich Ihnen als Kirk van Thorshöfen vor.

In der Villa von Thomé herrschte große Aufregung. Der Eisenländer Ludwig Falkner, der mit der Kutsche angekommen ist, überbrachte eine Nachricht. Diese war auf eine typische Art und Weise verschlüsselt, die Thomé nur all zu bekannt war. Sie enthielt die Worte „flieht sofort“, „sicheres Haus in Entour“ und „Der goldene Fluss“. Thomé ließ von seinem Sekretär Albert sofort alles in die Wege leiten und verstaute das Nötigste. Da erschienen auch schon die erwarteten Gäste für den Vormittag in Begleitung von Kirk. Thomé erklärte ihnen, dass sie sich sofort zum Aufbruch bereit machen sollten. Albert stieg durch den Geheimgang, um das Gepäck der Reisenden aus dem Gasthof zu holen. Georg begleitete ihn.

Es herrschte reges Treiben in dem Haus. Die Diener packten eilig das Gepäck und Thomé erklärte den drei Fremdländern, warum sie so schnell aufbrechen müssen. Währenddessen hatten Georg und Albert die Gepäckstücke aus dem Gasthof eingesammelt und waren drauf und dran im Untergrund zu verschwinden. Plötzlich hörten sie mehrere Pferde vor der Wirtschaft anhalten. Schritte wurden laut, als Georg hinter sich die Klappe der Falltür zu zog und dem Gespräch lauschte. Eine tiefe männliche Stimme durchschnitt die Anspannung im Raum und fragte den Wirt nach einem Eisenländer. Dieser gab sich auf Befehl seines Lehensherren schweigend, woraufhin er von mehreren Männern gepackt wurde, die ihn dann übel zurichteten. Georg wies Albert an, weiterzugehen.

Wieder in der Villa angekommen berichteten die beiden von den Erlebnissen im Dorf. Die Kutsche von Thomé war bereit und so stiegen alle ein. Bei der Abfahrt erhaschten sie einen Blick ins Dorf, wo sich vor dem Gasthof eine größere Menschenmenge zusammengefunden hat und einen Kreis bildete. In der Mitte des Kreises wurde ein Mann, vermutlich der Wirt, aufs Übelste geschlagen. Traurig setzten Thomé und seine Begleiter zur Flucht in die andere Richtung an.

Sie planten, einen Umweg nach Osten zu nehmen, um das Dorf nördlich zu umrunden. Die erste Nacht verbrachten sie unter freiem Himmel in einem Waldstück. Eine unheimliche Stille erfüllte das Gelände. Im Wald entstand ein übernatürlicher Schimmer. Die Gruppe konnte einen Geist sehen, der sich schwebend näherte. Das Unterholz erhob sich in die Luft und folgte dem Geist. Thomé und Albert reagierten schnell, als sie den Geist zwischen zwei Spiegeln einsperrten und das Gefängnis versiegelten. Unter Staunen der anderen Gruppenmitglieder verpackten Sie den gefangenen Geist in Thomés Gepäck.

Als sie in der Ferne die Hufe eines Pferdes hörten, schlugen sie sich ins Gebüsch und warteten ab. Ein Mann in roter Robe kam an die Kutsche heran und inspizierte sie genauer. Die Flüchtigen riefen ihm aus dem Gebüsch zu, er solle seine Waffe fallen lassen und sich ergeben. Darauf näherte sich der Mann der Inquisition dem Unterholz. Jetzt rief Rory und befahl das selbe. Der Mann erstarte, als ihm bewusst wurde, dass er geradewegs in eine Falle getappt ist.

Die Männer verhafteten ihn. Sie befragten ihn nach seinen Motiven und seinem Befehl. Er sollte im Auftrag seines Herren, Hochinquisitor Fernando Aquillez, zusammen mit weiteren Männern die Umgebung erkunden und nach den Flüchtigen suchen. Thomés Verwandter versuchte, den Mann von seinem Glauben abzubringen, doch dieser blieb standhaft und beschimpfte die Anwesenden als Ketzer. Kirk, der ihn seit seiner Verhaftung mit einer Pistole bedrohte, machte kurzen Prozess.

Nach einer weiteren Nacht auf der Straße trafen sie wieder auf den eigentlichen Weg Richtung Küste und somit auch Entours. Dort warteten zwei Bauern. Sie behielten die Weggabelung im Auge und erspähten die Kutsche. Als die Gruppe vor ihnen Halt machte, gaben sie sich als Einwohner von Pays d'or verte aus. Thomé konnte sich an die Männer nicht erinnern, so dass die Gruppe die Männer bedrohte. Sie drohten ihnen an, bis zehn zu zählen und sie dann zu erschießen, sollten sie nicht die Wahrheit sagen. Als die Männer zu flüchten versuchten, wurde einer von ihen durch Rorys Treffsicherheit getötet. Der andere lief davon, doch Thomés Vetter holte ihn zu Pferde leicht ein. Der Mann stürzte und enttarnte sich als Inquisitor, als ihm das Prophetenkreuz aus dem Kragen rutschte. Thomés Vetter nutze einen Trick, in dem er ein scheinbar okkultes Ritual durchführte, welches dem Mann verbieten würde, bei seinem Herren aufzukreuzen. Sie ließen ihn gehen und machten sich wieder auf dem Weg.

Einige ruhigere Tage vergingen, bis die Männer in Entours ankamen. Sie mieteten sich mit Alberts Hilfe in einem Gasthaus ein. Thomé und Rory versuchten, die geheimnisvolle Botschaft zu entschlüsseln. Sie errieten, dass „Der goldene Fluss“ ein melodramatisches Musikstück von einem eisenländischen Komponisten aus Freiberg ist, dessen Name Michael Hafner ist, wie Rory in der hiesigen Bibliothek in Erfahrung brachte.

Thomés Vetter befand sich ebenfalls auf der Straße, um sich ein wenig umzuschauen. Thomé selber begab sich durch die Lösung weiterer Rätsel im Musikstück zu dem geheimen Haus des unsichtbaren Kollegiums. Hier wurde er nach dem Passwort gefragt, welches der Name des Komponisten war. Er wurde eingelassen und der Herr des Hauses nahm ihn in Empfang. Ludwig ist der Lehrling eines Mitglieds aus einer anderen Stadt in Montaigne, nahe von Pays d'or verte. Der Gelehrte ist auf eine große Entdeckung gestoßen und die Inquisition erfuhr davon. Als diese mit ihren reinigenden Flammen anrückten und das Geheimnis erkennen wollten, verbrannte der Gelehrte seine Aufzeichnungen, sein Heim und somit sich selbst. Nur der arme Ludwig wurde zu Thomé geschickt, um diesen zu warnen und die Kette des Wissens aufrecht zu erhalten. Der Gelehrte von Entours erhielt ebenfalls einen Brief, welcher Thomé zur Ergründung des Geheimnisses nach Vodacce schicken würde. Der Name der Stadt lautete Guarre de Puertofino in der Provinz des Handelsprinzen Alberto Lucani. Außerdem wurde Thomé gebeten, seine Begleiter bei sich zu behalten, da diese nun ebenfalls in größter Gefahr schweben. Ludwig sollte ihn ebenfalls begleiten und sein neuer Lehrling werden.

Thomés Vetter begegnete auf der Straße einem Mann in einer für die Jahreszeit untypische Kleidung, die ihn stark verhüllte. Als sie zusammen stießen, konnte er das Prophetenkreuz unter der Kutte erkennen. Dies machte ihn neugierig und er verfolgte den Mann. Er ging eilig durch die kleinen Gassen, bog unvorhergesehen ab und ging einen sehr umständlichen Weg. Am Ende des Weges bog der Mann in eine Sackgasse ein und Thomés Vetter dachte, er hätte ihn gestellt. Doch als er sich nähern wollte, erkannte dieser, dass alle Wege blockiert waren durch bewaffnete Inquisitoren. Als sie langsam näher kamen, schlug er eine Fensterscheibe ein, sprang hinein und kletterte auf das Dach des Gebäudes. Er sprang über die Gasse, als die Inquisitoren das Dach erreichten. Diese folgten ihm und so war er gezwungen, über mehrere Häuserschluchten zu springen, als ihn eine Kugel am Arm traf und er den nächsten Sprung nicht schaffte. Schreiend stürzte er durch das Fenster eines Hauses und landete im obersten Stockwerk. Einer seiner Verfolger versuchte, ebenfalls durch das Fenster zu springen, doch er scheiterte und prallte unter lautem Gebrüll auf die Straße. Rory, der die Schüsse der Inquisitoren vernahm, kam in diesem Moment herbei geeilt und beobachtete die Szene. Die Männer zogen sich zurück und Rory begleitete Thomés Vetter zurück zu ihrer Unterkunft, wo sie durch Thomé die neuen Informationen erhielten.

Sie beschlossen, ein Schiff zu nehmen, welches sie in den nächsten Hafen nach Norden schaffen sollte. Von da aus planten sie, eine Überfahrt nach Vodacce zu nehmen. Sie hofften, Fernando Aquillez und seine Männer auf die Art abzuhängen. Ob dieser Plan fruchtet, sollten sie bald herausfinden. So machten sie sich bereit, das Land Vodacce zu bereisen, welches für seine Kunst, seinen Wein, aber auch seine gefährlichen Straßen bekannt ist.

Bella Vodacce

Die Gruppe segelte gemeinsam wie besprochen in die nördlich liegende Stadt Arisent, um die Verfolger der Inquisition abzuhängen. Dort gingen sie an Land und Thomé trug seinem Sekretär Albert auf, eine Überfahrt nach Vodacce zu organisieren.

Ludwig wurde von einem Mädchen mit einem Überwurfmantel mit Kapuze angesprochen. Sie fragte, ob er einen Mann aus Cathay gesehen hätte. Sie sprach mit einem sehr merkwürdigen Akzent. Thomé beteiligte sich an dem Gespräch und erkannte ebenfalls, dass das Mädchen von einem weit entfernten Land kam. Sie stellte sich als Pai-Lin vor und erklärte, dass sie auf der Suche nach ihrem entführten Vater ist.

Die Männer boten ihre Hilfe an und befragten die Hafenarbeiter. Bald fanden sie heraus, dass ein Mann aus Cathay in Begleitung von einer Gruppe Männer mit einem Schiff nach Vodacce in die Provinz Lucani übersetzte. Sie beschlossen, Pai-Lin mitzunehmen und zahlten die Überfahrt für sie.

Albert brachte die Gruppe zu einer Galeone der Handelsschiffarmada von Vodacce. Sie betraten den stolzen Dreimaster und segelten in die offene See. Anuncio befasste sich genauer mit Pai-Lins bisheriger Reise. Sie erklärte, mit dem Schiff in die Halbmondreiche gesegelt zu sein. Von dort aus ist sie mit einer weiteren Schiffspassage auf das Festland von Vodacce geraten. Ab diesem Zeitpunkt reiste sie über Land bis nach Arisent. Den Weg entschied sie nicht alleine. Ihr Vater hinterließ ihr Zeichen auf dem Weg.

Thomé sprach mit der Dienerin einer Adeligen aus Vodacce. Er beauftragte sie, Pai-Lin beim Einkleiden zu helfen und sie in die Gepflogenheiten einer Dame einzuweisen, um in Vodacce nicht aufzufallen. Bereitwillig begleitete die Frau Pai-Lin in ihre Kabine und zeigte ihr alles nötige.

Das Schiff lief zur Mittagszeit im Hafen von Guarre de Puertofino ein. Sie gingen von Bord und kümmerten sich um eine Unterkunft. Nachdem dies erledigt war, machten sich Thomé, Albert und Ludwig auf die Suche, nach dem sicheren Haus. Sie teilten sich auf und erkundeten auf diese Weise die ganze Stadt. Ludwig übernahm die Handelsviertel und Wohnabschnitte, Albert durchsuchte den Hafenbezirk und Thomé überprüfte die Gebiete des Adels und den Regierungsdistrikt. Rory folgte heimlich Thomé, da er neugierig auf die Geschäfte des Adelsmannes war.

Währenddessen beschlossen Annuncio, Georg und Pai-Lin die Stadt zu erkunden. Ihr Weg führte sie in das Regierungsviertel, wo das mit Abstand beeindruckenste Bauwerk der Stadt zu finden war. Ein große Kuppel überragte die Stadt. Sie betrachteten diese Meisterleistung der Architektur und befragten die Einheimischen dazu. Sie nannten das Gebäude Rachele.

Sie besichtigten das Gebäude von innen und machten sich danach wieder auf den Weg durch die Stadt. Anuncio hörte, wie ein paar Halbstarke sich über Pai-Lin lustig machten. Seine Ehre gebot ihm, verteidigende Worte zu sprechen, worauf ihn einer der Männer zum Duell bis auf das erste Blut forderte. Sie zogen blank und der Junge aus Vodacce führte den ersten Schlag aus und verfehlte nur knapp. Anunncio erwiderte den Streich und verfehlte ebenfalls. Sein Gegenüber hieb ein zweites Mal daneben und Annuncio landete einen Treffer. Das Duell war beendet, doch die Halbstarken drohten Annuncio, dass er diese Tat noch bereuen würde.

Aus den Zuschauern trat ein älterer Mann mit edler Kleidung und gut getrimmter Frisur heraus. Er entschuldigte sich gegenüber Annuncio wegen dem Benehmen der Jungen. Er stellte sich als Marco Lucani vor. Er schien ein Amt in der örtlichen Regierung zu bekleiden und bot Annuncio an, sich bei Schwierigkeiten an ihn zu wenden.

Währenddessen trafen sich Thomé, Ludwig und Albert in der Gaststätte. Ludwig konnte das Zeichen für ein sicheres Haus ausmachen und führte sie dorthin. In den Wohnvierteln am Stadtrand stand dieses Gebäude. Das Zeichen war schwer zu finden, doch dann konnten sie es im Eingangsbereich erkennen.

Sie klopften an und sie wurden eingelassen. Der Hausherr empfing sie in seinem Büro und erklärte, dass Ludwigs ehemaliger Mentor vor einigen Jahren in der Stadt war, um die Ruinen des numanischen Imperiums im Norden der Stadt zu erkunden. Seine Forschungsergebnisse waren ihm jedoch nicht bekannt. Thomé erkannte, dass ihr nächstes Ziel eine dieser Ruinen ist und erhielt vom Hausherren eine Karte. Außerdem erhielten sie die Information, dass sich dort niemand ohne die ausdrückliche Genehmigung der Familie Lucani aufhalten darf.

Als sich die beiden Gruppen abends wieder begegneten, tauschten sie das Erlebte aus. Annuncio erklärte Thomé, dass er ein Mitglied der Prinzenfamilie kennengelernt hat und schickte sogleich Albert als Boten. Dieser kehrte nach kurzer Zeit zurück und berichtete, dass sich Marco Lucani auf einem Schiff in Richtung Dionna befindet, um einer Feierlichkeit am kommenden Abend beizuwohnen. Sie beschlossen, am nächsten Morgen ebenfalls nach Dionna zu segeln. Ein Schiff fand sich schnell und so setzten sie schon bald auf die Insel über. Dort angekommen war nur noch wenig Zeit. So kleideten sie sich um und begaben sich zu Casa di Villanova.

Als sie eingelassen wurden, erkannten sie, dass sie sich mitten in den Feierlichkeiten einer Hochzeit befanden. Schon bald wurde Thomé von einer Dame zum Tanz aufgefordert, verneinte jedoch und verwieß an seinen Verwandten Don Annuncio. Dieser nahm das Angebot dankend an und begab sich auf die Tanzfläche. Rory erwählte ebenfalls eine Dame und schwang das Tanzbein. Die beiden tanzten überragend und schon bald bildete sich eine Menschentraube, um den beiden Tanzpaaren zuzusehen.

Georg und Pai-Lin bedienten sich an den Getränken, während Thomé, Ludwig und Albert nach Marco Lucani Ausschau hielt. Pai-Lin wurde von einem eleganten Herren angesprochen und zum Tanz aufgefordert. Sie willigte ein und ließ sich zur Tanzfläche begleiten.

Sie unterhielt sich angeregt mit ihrem Tanzpartner, welcher sehr interessiert an ihrer Herkunft war. Außerdem fiel ihm auf, dass sie in Begleitung einer größeren Gruppe war. Er sprach eine Einladung zum Mittagessen in diesem Haus aus und stellte sich nebenbei als Giovanni Villanova, der Handelsprinz vor.

Thomé und Annuncio ergatterten in dieser Zeit eine Gelegenheit, mit Marco Lucani zu sprechen. Sie erklärten ihm, aus historischem Interesse die Ruinen besichtigen zu wollen, doch er erklärte, dass die Regulierung der Erforschungen aufgrund der Forschergesellschaft eingeführt wurde. Sein Verwandter Alberto Lucani, der Handelsprinz würde aber eine solche Ausnahmeregelung erwägen, wenn sie persönlich bei ihm vorstellig werden. Sie sollten zum Essen erscheinen.

Nach dem Fest war Rory mit seiner Tanzpartnerin verschwunden und die anderen erkannten, dass sie zum selben Zeitpunkt bei zwei Handelsprinzen eingeladen wurden. Sie entschieden sich, das Treffen mit der Familie Lucani auf den Abend zu verschieben. So konnten sie noch mittags bei Villanova erscheinen und am Abend wieder in Guarre de Puertofino sein. Sie nutzten die Nacht, um zu entspannen. Am nächsten Tag würden sie all ihr Verhandlungsgeschick aufbringen müssen, um den Fragen des berüchtigtigten Handelsprinzen Giovanni Villanova zu widerstehen.

Es ist angerichtet

Das Erwachen am nächsten Tag gestaltete sich für den einen oder anderen etwas schwierig. Georg und Pai-Lin nutzten die Gelegenheit, vor dem gemeinsamen Mahl mit Prinz Villanova spazieren zu gehen. Dabei fiel ihnen auf, dass sie in der ganzen Stadt unter Beobachtung standen. An jeder Straßenecke konnten sie einige Männer ausmachen, die sie im Auge behielten. Thomé bereitete sich währenddessen im Gasthaus auf die bevorstehende Verabredung vor.

Als Georg und Pai-Lin zurückkehrten, kleideten Sie sich auch um. Gemeinsam begaben sich alle zur Casa de Villanova. Nach einer langen Wartezeit in der Vorhalle wurden sie von Prinz Giovanni Villanova empfangen. Er geleitete sie in den Speisesaal, wo auf ein Zeichen des Prinzen der erste Gang aufgetischt wurde. Während die Gäste des Prinzen vorsichtig die Speisen betrachteten, legte Villanova sein Anliegen dar.

Er interessierte sich für den Grund einer derartigen Reise und auch besonders für Pai-Lin. Als Thomé ihm preisgab, dass es sich bei der Gruppe um eine Forschergemeinschaft handelt, die sich für die Ruinen auf dem Land des Prinzen Lucani intressierte. Villanova lächelte verstohlen und schlug vor, einen Forscher aus seinen Reihen mit auf die Erkundungsreise zu schicken. Er solle die Gruppe am Schiff zurück zum Festland treffen.

Nach einigen weiteren Gesprächen unwichtigerer Natur wurden die Reisenden wieder entlassen. Pai-Lin fiel ein Stein vom Herzen, denn sie war solche Anlässe einfach nicht gewöhnt. Doch die Adeligen in der Gruppe wussten, dass sie sich erst in Sicherheit wiegen können, wenn sie die Insel Dionna verlassen haben.

Am Hafen lernten Sie den auserwählten Gelehrten von Prinz Villanova kennen. Seine Name war Frederiko Sanguini. Er wurde von sechs weiteren Männern begleitet. Am Festland angekommen konnte die Gruppe nach einem Gespräch mit Prinz Lucani eine Erlaubnis zur Besichtigung der Ruinen erlangen. Am nächsten Morgen brach die Gruppe in Begleitung von Sanguini und seinen Gefährten auf Richtung Norden.

Nach zwei Tagen Kutschfahrt erreichten sie das Wachhaus an der Straße, womit die Soldaten des Prinzen den Zugang zu den Ruinen kontrollierten. Nachdem sie die schriftliche Erlaubnis des Handelsprinzen vorzeigten, wurden sie auf die Gesetze im Bezug auf die Ruinen hingewiesen und hindurch gelassen.

Sie fuhren mit Ihren Kutschen in eine der Ruinenstädte und schlugen in einer weniger zerfallenen Villa ihr Lager auf. Anschließend planten sie die Erkundung der Festungsstadt, stets darauf bedacht, Sanguini im Auge zu behalten.

Geheimnisse der Vergangenheit

Im Morgengrauen machten sich die Forscher auf Richtung Stadtzentrum zu der großen Festungsanlage. Albert und Henry wurden damit betraut, die Pferde zu versorgenSie durchschritten das verfallene Burgtor und fanden innerhalb der Mauern eine einst prachtvolle Residenz. Im Hof konnten sie Spuren längst verfallener Ställe und kleinerer Lagerschuppen erkennen. Das Innere der Residenz war im Eingangsbereich eher schlicht gehalten. Ein Gang mit Zugang zu vier kleinen Räumen, welche scheinbar weitere Lager waren.

Am Ende des Ganges erreichten sie eine prunkvolle Halle, in der einst die Kunst der Wandmalerei Geschichten vergangener Epochen abbildete. In der Mitte der Halle hing ein großer Lüster, welcher mittlerweile durch die Erdanziehungskraft zu Boden geworfen wurde.

Am anderen Ende der Halle fand sich eine Tür. Während die Gruppe weiterhin auf Kundschaftsmission war, fiel Don Annuncio zurück, um die Schergen Villanovas zu übewachen. Das Tor führte die verbleibenden Gruppenmitglieder in einen geräumigen Innenhof, welcher früher scheinbar als Übungsplatz der Wachen und Soldaten gedient hat. Der zweite Gebäudekomplex wurde festlicher gehalten als sein Vorgänger. Ein großer Ballsaal und ein Küchenbereich. Zusätzlich wurden hier noch einige Bedienstetenunterkünfte gehalten.

Im hinteren Teil des Gebäudes fanden die Forscher eine Wendeltreppe. Nach oben führte sie zu zwei gigantischen Schlafgemächern, in denen die Zeit bereits sämtliche Kostbarkeiten verschwinden ließ. Der Keller war jedoch von interessanterer Natur.

Hier fanden Sie eine mysteriöse Muskete. Sie bestand aus vielen Zahnrädern und noch mehr Metallkleinteilen. Diese wurde von der Gruppe vor den neugierigen Augen Sanguinis verborgen. Weiterhin fanden sie einige Labore, in denen früher alchemistische Experimente durchgeführt wurden und offensichtlich hier und da eine Explosion verursachten.

Ein langer Gang mit Zellen gesäumt führte zu einem großen Raum. Als die Forscher diesen erkundeten, entdeckten sie weitere Waffen wie die vorherige. Thomé entdeckte eine Art Schießstand, jedoch viel zu lang für die Reichweite aller bekannten Waffen. Die gegenüberliegende Wand war schwarz verkohlt. Pai-Lin zeichnete ein Ziel an die Wand und gesellte sich zu Thomé. Alle versammelten sich um ihn, während er die Waffe bediente. Eine Folge von leisen Klickgeräuschen kündete von dem noch funktionsfähigen Mechanismus. Darauf wurde ein gigantisch greller Lichtstrahl aus der Mündung gefeuert, welche die Zielwand in gnadenloser Hitze versenkte. Geblendet und zutiefst erstaunt testete die Gruppe weitere Waffen.

Don Annuncio packte sich währenddessen heimlich weitere Schusswaffen und brachte sie hinaus. Er schlich zur Kutsche zurück und verstaute die Gewehre dort. Er musste jedoch feststellen, dass die Diener noch nicht mit den Pferden zurückgekehrt sind. Er wusste, dass die nächste Tränke bestimmt bei dem Wachhaus zu finden ist, welches sie am Vortag passierten. Besorgt begab er sich zurück zu seinen Gefährten.

Als Annuncio aufschloss, waren seine Gefährten noch mit den Waffen beschäftigt. Sie nahmen einige davon mit und erkundeten den Gang weiter. Das Ende des Ganges führte zu einer schweren Stahltür, welche scheinbar vor langer Zeit einmal versiegelt wurde, aber durch frühere Entdecker wieder aufgebrochen wurde.

Als sie die Tür mit großer Mühe öffneten, fanden sie am Boden ein Buch vor. Georg und Thomé studierten die Seiten und fanden heraus, dass es sich um das Tagebuch von einem gewissen Howard Temple handelte. Auf den letzten Seiten berichtete er von einer Forschungsreise mit Ludwigs verstorbenen Mentor.

Georg ließ das Buch in seiner Tasche verschwinden und sie gingen weiter. Hinter der Tür war der Tunnel nur grob behauen und nach einigen Metern brach der Gang in einen weiteren Tunnel. Die Wände hier bestanden aus glattem schwarzen Stein. Sie folgten dem Weg in eine unterirdische Kammer von gigantischem Ausmaß.

Langsam tasteten sie sich im schwachen Schein ihrer Fackeln vor und stießen immer wieder auf Geröll und zerbrochene Bodenplatten. Sie umrundeten den Raum an den Wänden und fanden schon bald eine Statue ohne Gesicht, die eine große Axt hielt und auf einem Sockel stand. Nur ein Mund spaltete den Kopf.

Sie brauchten eine gefühlte Ewigkeit, bis sie das andere Ende der Halle erreichten. Hier stand eine Art Altar, aus dem selben schwarzen Stein gefertigt. In der Mitte hatte der Altar eine dreieckige Vertiefung und darum viele unbekannte Zeichen. Thomé, Georg und Sanguini machten sich sofort daran, den Altar zu untersuchen.

Thomé pauste mit einem Stück Papier und Kohlestift die Schriftzeichen ab, um sie später entschlüsseln zu können. Dabei bemerkte er, dass ein Zeichen wie eine Taste funktionierte. Er wies seine Kollegen darauf hin und gemeinsam entschieden sie, weiter zu machen. Insegesamt zwei weitere Tasten gaben bei der Arbeit nach.

Darauf drang ein Vibrieren durch jede Faser der Halle und verstummte kurz darauf auch wieder. Verwirrt blickten alle um sich. Ein schauderhaftes Donnern ertönte. Kurz darauf wieder. Sie bewegten sich schnell Richtung Ausgang, da sie bei den Geräuschen ein ungutes Gefühl hatten. Das Donnern kam näher, wie die Schritte eines Riesen.

In den Fackelschein trat ungefähr in der Mitte der Halle die Statue ohne Gesicht. Ihre schweren Schritte wurden von der Gruppe angezogen. Sie verteilten sich und die Statue entschied, Don Annuncio zu verfolgen. Frederiko Sanguini und seine Gefährten flüchteten beim Anblick der hühnenhaften Gestalt zum Ausgang. Thomé aber lief zusammen mit Kirk in die Mitte der Halle, wo sie gerade noch rechtzeitig ein großes, rundes Loch entdeckten, bevor sie in den Abgrund stürzten. Sie riefen ihre Kameraden zu sich und stiegen die Treppe am Rand des Schlundes hinunter und entdeckten einen Schalter, welcher das Loch über ihren Köpfen wieder verschloss.

Ein tiefer Tunnel brachte die Gruppe zu einem Ausgang außerhalb der Festung. Bald schon trafen sie auf Albert und Henry, welche von einer Invasion uniformloser Soldaten erzählten. Sie wurden gefangen genommen, als sie die Pferde tränken wollten, konnten jedoch mit zwei Pferden wieder entkommen. Sie verließen die Stadt und schlugen ihr Nachtlager in einem kleinen Wald auf. Nun müssen sie sich Gedanken darüber machen, wie sie aus der Region entfernen können, ohne gefangen genommen zu werden.

Die scharlachroten Drei

Nachdem sich alle von den Strapazen erholt hatten, beschlossen sie, dass sie für die Flucht dringend weitere Pferde benötigten. Pai-Lin beschloss, alleine aufzubrechen, während Thomé und Georg das Lager sicherten.

Ungesehen glitt sie über die Graslandschaft bis zu einem Gebüsch nahe der Stadtmauer. In der Nähe eines Stadttores entdeckte sie das Lager einer Patroullie. Ein Mann saß am Feuer, einer stand an der Waschschüssel und ein weiterer Mann hielt sich im Zelt auf.

Blitzschnell schlug Pai-Lin zu und setzte die Männer außer Gefecht. Der Kampflärm machte jedoch Thomé und Georg aufmerksam. Sie eilten Pai-Lin zur Hilfe und beschlossen, gemeinsam eine weitere Gruppe zu überwältigen. Pai-Lin stieg mit ihrer katzenhaften Anmut ohne Schwierigkeiten auf ein Dach und erkundete die Umgebung von oben. Sie entdeckte eine Gruppe von sechs Männern und führte ihre Gefährten zu einem Punkt, wo sie einen Hinterhalt legten.

Die Soldaten ritten unter Pai-Lins wachsamen Augen die Straße entlang, hielten jedoch vor dem Hinterhalt an, da sie etwas bemerkten. Georg und Thomé eröffneten das Feuer und Pai-Lin sprang vom Dach vor die Reiter, überwältigte einen Mann und stahl in der selben Bewegung sein Pferd.

Mit den neuen Reittieren ausgestattet sammelten die drei ihre Gefährten ein und verließen das Gebiet im Galopp. Ihr neues Ziel war Numa, wo sich Thomé und Ludwig bei Kontakten nach Informationen über Howard Temple umschauen wollten.

Die große Stadt auf dem Festland von Vodacce, das damalige Herz des numanischen Imperiums, zeigte noch viel vom alten Glanz. Die Stadt breitete sich vor ihnen in voller Größe aus. Die geschwungenen Torbögen und das große Senatsgebäude in der Mitte der Stadt waren charakteristisch.

In der Stadt suchten sie sich schnell eine Unterkunft. Wie immer teilte sich die Gruppe auf, um die einzelnen Ziele zu verfolgen. Thomé, Georg, Ludwig und Albert suchten nach Zeichen des unsichtbaren Kollegiums, während Pai-Lin mit Don Annuncio Ausschau nach weiteren Hinweisen ihres Vaters hielt.

Pai-Lin drang in das Zentrum der Stadt vor und konnte am Tor zum Senatsgebäude ein Zeichen entdecken. Sie konnte die Schrift ihres Vaters erkennen, die verkündete: „Die Wahrheit findest du im Inneren.“ Die Wachen verweigerten ihr jedoch den Zugang. Sie wandte sich an Annuncio und bat ihn um eine Ablenkung. Er zog also seine Klinge und forderte den Wachmann zum Duell. Dieser willigte ein und das Duell wurde kurz vor dem Eingang ausgetragen.

Als das Duell genug Publikum angelockt hatte, drang Pai-Lin in das Gebäude ein. Jeden Raum durchforstete sie und kam schließlich in den runden Saal, in dem der Senat früher tagte. Unter dem Rednerpult konnte sie eine Nachricht ihres Vaters in einem geheimen Fach ausmachen. Sofort las sie die Zeilen, die ihr Vater für sie hinterlassen hat. Er schrieb, dass er in ein anderes Land gebracht wurde, welches Lon hieß.

Verwirrt durch diese Nachricht wollte sie den Senat wieder verlassen, fand jedoch heraus, dass Annuncio das Duell bereits beendet hatte und die Wachen wieder auf ihrem Posten standen. Sie begab sich in die obere Etage und öffnete auf der Rückseite des Gebäudes ein Fenster, durch das sie einfach hinaus sprang und Annuncio aufsuchte, um zu ihrer Unterkunft zurück zu kehren.

Währenddessen konnte Thomé in einer Bibliothek einen Hinweis auf ein sicheres Haus entdecken und suchte dieses sofort auf. Dort lernte er Abrianna Lucilla Fiorenza kennen. Sie informierte ihn, dass Howard Temple sich derzeit in Avalon aufhält und warnte ihn, dass ein Don Fernando Aquiellez nach Thomé fragte. Er wurde eingeladen, mit den Kollegen zu speisen und brach dann sofort zu seinen Gefährten auf.

Thomé teilte seine neuesten Erkenntnisse mit den anderen und sie beschlossen, sofort aufzubrechen, da die Inquisition bereits in der Stadt ist. Der Weg sollte weiter zum großen Fluss führen, wo sie nach Eisen übersetzten. Auf dem Weg dorthin bemerkten sie ständig zwei große Reisegruppen, die seit Numa den selben Weg verfolgten.

Das Schiff setzte über und brachte sie in das wunderschöne Prachtheim. Die einzige Stadt in den Eisenlanden, die nicht vom Krieg zerstört wurde. In der Stadt bemerkten sie immer wieder die Reisegruppen. Georg hatte einen Einfall, die Verfolger zu identifizieren. Sie bewegten sich auf umständliche Wege durch die Stadt und suchten einen Gasthof auf dem Land auf, welcher sehr abgelegen war.

Die geflickte Trommel war ein sehr geräumiges Gut mit großen Ställen und vielen Zimmern. Der Schankraum erinnerte eher an eine Festhalle. Der Wirt stand hinter der Theke und nahm die Bestellungen der vielen Gäste auf. Er leitete die Bestellungen durch eine kleine Klappe an seinen Koch weiter.

Die Gruppe empfing ihre Speisen und Pai-Lin beäugte überrascht ihren Teller. Sie bestellte untypisch für diese Jahreszeit Ente, was jedoch in ihrer Heimat ein übliches Gericht war. Das verblüffende war, dass die Speise wie in Cathay angerichtet war. Sie fragte den Wirt, ob sie den Koch auf ein Wort sprechen dürfte und wurde darauf verwiesen, dass er abends nach seiner Schicht zu sprechen ist.

Als sich die anderen im Raum umsahen, entdeckten sie eine der beiden Gruppen wieder. Den Rest des Tages beobachteten sie genau, was die anderen Reisenden vor hatten.

Pai-Lin wartete am Abend am Ausgang der Küche und schon bald trat der Koch heraus. Er trug einen Kapuzenmantel und begab sich zu seinem Quartier. Sie sprach ihn an und fragte nach seinen Namen. Er sagte, die Menschen hier nennen ihn Schorschi. Als er seine Kapuze entfernte, konnte sie die charakteristischen Merkmale von Cathay erkennen. Er war recht schweigsam und ging noch kurz in das Kühlhaus. Darin legte er seinen Mantel ab und packte einige Waren von dort in die Küche. Seine Kleidung und die Tatsache, dass er diese eisige Kälte einfach so übersteht, wiesen darauf hin, dass er aus dem Reich von Khimal stammt.

Sie bat ihn bezüglich der Verfolger um Hilfe und er bot daraufhin an, für alle ein Frühstück vorzubereiten. Pai-Lin begab sich in ihr Zimmer und schlief ein.

Das Frühstück stand bereit, als die Gruppe nach unten kam. Es handelte sich um Eier mit einer blauen Sauce. Dazu wurde Tee serviert. Die übrigen Gäste schienen sehr starke Probleme mit dem Essen zu haben. Der Schankraum sah eher wie ein Lazarett aus. Georg bewies Mut und probierte sein Frühstück. Als er den ersten Bissen schluckte, brannte es in seinem Hals wie Feuer und ihm stockte der Atem. Instinktiv griff er nach dem Tee und spülte das unangenehme Gefühl runter. Beobachtet von den großen Augen seiner Begleiter aß er gemütlich weiter.

Nach dem Frühstück begaben sie sich Pai-Lin, Thomé, Albert, Georg und Henry zum Stall, um die Pferde zu satteln. Dort wurden sie von ihren Verfolgern erwartet, die sich als castillische Inquisitoren zu erkennen gaben. Über zwei dutzend Männer standen ihnen gegenüber und gingen mit ihren Rapieren auf sie los. Pai-Lin schlug einen nach dem anderen mit ihren Kampfkünsten, während Thomé sich auf seine Fechtkunst verließ. Georg stand von den meisten Gegnern umzingelt, die jedoch häufig an seiner Dracheneisenrüstung scheiterten. Der Höhepunkt des Kampfes wurde erreicht, als Hochinquisitor Fernando Aquiellez das Schlachtfeld betrat und Thomé angriff. Sie tauschten erbitterte Schläge aus, verwundeten sich gegenseitig schwer. Als Georg ebenfalls nach dem Hochinquisitor schlug verschwand er schließlich hinter seinen Männern, um sich aus der Affäre zu ziehen. Die übrigen Inquisitoren kämpften bis zu ihrem Ende.

Erschöpft vom Kampf standen sie teilweise schwer verwundet über den geschlagenen Gegnern. Hinter ihnen stand ein Mann am Eingang, der applaudierte und ihnen zum Sieg gratulierte. Er stellte sich als Alberto Sanguini vor, der Bruder von Frederiko. Er sagte, es sei sein Auftrag, nach Thomé und seinen Gefährten zu suchen, da sie schon lange zurück erwartet wurden. Er nahm Pai-Lin bei der Hand und bat sie zurück hinein, um ihre Wunden zu versorgen. Bevor die anderen reagieren konnten, begleitete er sie hinein und die Tür schloss sich vor Georg und Thomé. Im Inneren fand sich Pai-Lin inmitten von mehreren Soldaten wieder, die sie mit Pistolen bedrohten. Sanguini forderte die Gruppe auf, sich zu ergeben.

Pai-Lin konnte es nicht zulassen, dass die Suche nach ihrem Vater hier schon zu Ende ist und griff den nächsten Soldaten an. Sie schlug ihn zu Boden, doch darauf drückten die verblienen Soldaten ab und exekutierten die nun hilflose Pai-Lin.

Vor der Tür konnten sie die Schüsse hören und so schlug Georg die Tür mit seiner Panzerhand aus Dracheneisen auf. Ein erbitterter Kampf brach aus. Die Überzahl stürzte sich auf Georg, während sechs weitere Thomé angriffen. Der Bruder von Prinz Villanovas Forscher schoss Georg in den Rücken und zog anschließend blank, um auf die ungeschützten Körperstellen zu zielen. Überraschend wand er sich Thomé zu und richtete ihm übel zu. Ein tödlicher Stich bohrte sich in seine Brust, doch wie durch ein Wunder konnte die Wunde ihm nichts anhaben.

Pai-Lin erlangte Bewusstsein, konnte sich jedoch nicht erheben. Aus Richtung Küche rollte eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit auf sie zu. Mit letzter Kraft entkorkte sie die Flasche und goss das Gebräu in ihren Rachen. Ihre Schmerzen wurden gelindert und sie erhob sich. Ängstlich griffen die verbliebenen Gegner sie an, doch sie konnte sich gegen sie zur Wehr setzen. Gemeinsam gelang es Thomé und Georg, Sanguini zu schlagen. Darauf ergriffen die verbliebenen Soldaten die Flucht, doch Albert versperrte ihnen den Weg. Mit Verzweiflung attackierten sie den armen Sekretär, der sich geschlagen geben musste und zur Seite wich.

Pai-Lin und Georg setzten den beiden letzten Soldaten nach und holten schnell auf. Georg schlug den ersten Soldaten mit seiner Panzerhand nieder und Pai-Lin packte den zweiten mit einem unerbittlichen Griff.

Ihre Wunden versorgend sahen die drei an sich herab. Unfähig zu sagen, ob das meiste Blut nun von ihren Feinden oder ihnen selbst stammt, wurden sie sich dem Ausmaß des Kampfes bewusst.

Sie verhörten zuerst den Soldaten, dessen Name Jean-Luca war. Da er ein einfacher Soldat war, wusste er nicht besonders viel und so beschlossen die Gefährten, ihn mit sich zu nehmen und wenn er dies wünscht, bei Georgs Bruder im Lehen eine Arbeit anzunehmen.

Thomé verarztete Sanguini und rettete im dadurch sein Leben. Als er wieder bei Bewusstsein war, wurde er ebenfalls verhört. Sein Auftrag bestand in der Tat darin, unter Einsatz aller Mittel die Gruppe nach Dionna zu führen. Als sie Anstalten machten, den Gefolgsmann des Handelsprinzen von seinem Leid zu erlösen, trat der geheimnisvolle Koch der geflickten Trommel neben sie. Er versprach, sich seiner anzunehmen und bat sie, sein Leben zu verschonen. Sie willigten ein. Er erinnerte sich plötzlich wieder an seinen wahren Namen. Xiong-Gi. Pai-Lin erhielt von dem weisen, jungen Koch einen Talisman als Abschiedsgeschenk. So ritten sie weiter in Georgs alte Heimat, Drachenfels.

Auf dem Weg durch die Eisenlande zogen Sie zwei Tage durch Wiesen und Wälder. Nachdem sie den Vormittag durch kleine Weiler und Felder gezogen waren machte die Gruppe an einem kleinen Wäldchen Mittagspause. Als sie danach weiter ritten erwarteten sie auf der anderen Seite das gleiche Bild, das sie schon den ganzen Tag begleitet hatte. Stattdessen erblickten die ungleichen Gefährten eine graue Erde. Hier und da sah man gelblich Büschel Gras. Die Hecken an den ehemaligen Feldrändern trugen kein Laub. Das nächste Wäldchen war eine groteske Ansammlung von Stämmen. Die kahlen Äste schlugen klagend aneinander. Schweigend setzten sie ihren Weg fort. Erst am späten Nachmittag wurde das welke Gelb durch erstes Grün abgelöst. Erleichtert Aufatmend ging es weiter, auch wenn Sie der Geschmack von Salz noch bis zum nächsten Morgen begleitete.

Einige Tage später konnten die Gefährten von einem kleinen Hügel über eine fruchtbare Ebene sehen. Hecken fassten Felder voller Grün ein. Die Straße der sie folgten, war bald ein überwucherter Pfad. Die Bäume und Sträucher am Rande hatten Zweige über den Weg geschickt. Allerhand Gräser verwandelten ihn in eine Wiese. Auf den Feldern wuchs mindestens so viel Unkraut wie Korn. Vereinzelt hatten Büsche im Acker Fuß gefasst. Das erste Dorf auf das sie trafen, bestand aus verkohlten, überwucherten Balken. Ein kleiner Wald war abgeholzt worden, die Stämme einfach liegen gelassen. Inzwischen wuchs zwischen den Stämmen ein neuer Wald. Ihr Nachtlager schlugen sie in in einer Burgruine auf. Die Mauern des Walls waren eine lose Ansammlung von Steinen. Vom Haupthaus stand nur noch eine Giebelwand, gestützt von zwei Kaminen. Der Burgfried war bis zur Unkenntlichkeit geschliffen worden. Einzig die Stallungen mit ihren Tonnengewölben aus mächtigen Steinblöcken hatten den Angriff überstanden.

Am nächsten Tag durchquerten sie noch einige Dörfer bestehend aus verkohlten Trümmern. Manche Orte verrieten sich auch nur durch einen kleinen Hügel und eine veränderte Vegetation. In einem dieser Weiler trafen sie auf eine Frau: Sie stand in dreckigen Lumpen in ihrem „Haus“, wobei dieses Haus nur noch aus den steinerenen Grundmauern bestand. Als Georg vom Pferd abstieg und auf sie zukahm, bezog sie in der Öffnung, die einst die Tür gewesen sein muss, Stellung. Auf seinen Gruß antwortete sie mit Schweigen. Auf die Frage was sie hier mache mit: „Mein Haus!“ Weitere Fragen, auch das Angebot ihr zu helfen, resultierten in „Mein Haus!“ Als er ihr Vorschlug sie mit zu seinem Bruder zu nehmen, flüchtete sie in eine Ecke der Grundmauern, um von dort zu schimpfen: „Mein Haus!“ Resigniert ritten sie weiter. Insgesamt waren die Bewohner der Eisenlande sehr verschlossen. In den wenigen Gasthäusern grüßte sie regelmäßig tiefes Schweigen der Anwesenden. Der Wirt bediente die Reisenden einsilbig, und nie war ein Lachen zu hören.

Das seltsamste Erlebnis ereignete sich auf auf einer einsamen Landstraße die durch feuchte Wiesen führte. Mitten auf dem Weg standen gut hundert Menschen gehüllt in zerrissenen Lumpen. Einige hatten ehemals kostbare Gewänder aus Seide und Pelz, inzwischen jedoch mit hässlichen Rissen. Alle Kleider waren wie die Menschen voll Schlamm und Dreck. Die ganze Gruppe stank zum Himmel. Georg lenkte sein Pferd, das unruhig zu tänzeln begann, vorsichtig in die Wiese und ritt langsam an der Menschenmenge vorbei. Mit gemischten Gefühlen folgten die Gefährten ihm. Die Menschen rührten sich nicht, sie schienen die Reiter nicht mal wahrzunehmen. Das schlimmste waren ihre reglos ins nichts gerichteten die Augen. Kein einziger Blicke folgte ihnen. Erst als sie nicht mehr zu sehen waren, beruhigten sich die Pferde und die Gruppe unter Georgs Führung machte Rast. Georg erklärte: „Wir nennen sie Weisen. Sie haben alles im Krieg verloren. Nicht nur ihr Hab und Gut sondern auch den Verstand. Einige behaupten sogar, sie hätten sogar ihre Seele verloren. Ich bekomme in ihrer Nähe immer noch eine Gänsehaut…“ Nach einigen Minuten schweigen, fügte er noch an: „Und es gibt tausende von ihnen in Eisen“.

Endlich hatten sie die Ländereihen des Geschlechts derer von Drachenfaust erreicht. Als erstes sahen sie den Mückensee - wobei See? Es war nur Schilf zu sehen. Der weitere Weg war links und rechts von einem Kanal gesäumt, der das Wasser aus dem Sumpf ableitete. Dann kam zwischen den Rohrkolben der Drachenfels zum Vorschein. Auf dem flachen, felsigen Rücken die Burg - Ruine. Eine baufällige Mauer, ein eingestürzter Turm. Erst als sie fast auf dem Felsrücken waren, konnten sie um dieses trutzige Gemäuer herum sehen. Dort stand ein großes Dorf. Die Häuser mit bis zum Boden reichenden Reet gedeckten Dächern. Von dieser Seite standen sie vor einer unbeschädigten Burg. Das Haupthaus, das Tor, die Stallungen, alles ohne Makel. Die Bewohner beäugten die Neuankömmlinge erst misstrauisch, bis sie sich sicher waren, dass wirklich Georg von Drachenfaust nach Hause zurückkehrte. Dann liefen sie zusammen, und es machte sich verhaltener Jubel breit. Nur eine Gruppe am Rande der Siedlung folgte dem Geschehen mit unbewegter Miene und starrem Blick.

Im Torhaus wurden sie vom Lehens- und Hausherrn, Frederik von Drachenfaust Freiherr zu Drachenfels empfangen. Seine massige Erscheinung zeigte unverkennbar das er und Georg Brüder waren. An seinem Gürtel ein gewaltiger Eineinhalbhänder aus Dracheneisen. Nach allfälligem umarmen (oder auch Luftabquetschen) bat er die Gruppe herein. Im Burghof erinnerte nur der fehlende Wehrturm an die Beschädigungen, die von Weiten an der Burg zu sehen waren. Geschichten wurden erzählt, doch schon bald zehrte die Erschöpfung zu sehr an den müden Gebeinen der Helden. So führte Georg sie am Rittersaal vorbei in den Gästeflügel. Dabei entging den aufmerksamen Sinnen seiner Freunde nicht, das im Saal über dem Kamin ein sechs Meter langes schwarzes Insektenbein hing. Darauf angesprochen, meinte Georg: „Eine lange Geschichte, genauer die Geschichte des Geschlechts von Drachenfaust. Dieses Bein gehört zu einem Tier, das vor vielen Generationen hier im Sumpf hauste. Ein Vorfahre hat es vertrieben. Ich denke das ist eine Geschichte die man in Ruhe Abends am Kamin erzählen sollte.“ (Siehe Georg von Drachenfaust)

Der Wahrheit auf der Spur

Als der Morgen anbrach und Pai-Lin mit ihren üblichen Meditationen begann, begaben sich Thomé und Rory nach dem Frühstück in die Bibliothek der Burg. Ernüchtert über die geringe Auswahl machten sie sich über einige lokale Geschichtsbücher her. Georg kündigte an, er ginge zum Angeln an den Mückensee.

Also packte er seine Angel und marschierte geradewegs in die Sümpfe. Stunden später beschlossen Don Annuncio und Pai-Lin, das Dorf zu erkunden. Die Neugier trieb sie anschließend in die versumpften Wälder. Zwischen den abgestorbenen Bäumen herrschte eine unheimliche Finsternis. Die schwarzen Äste verwoben sich ineinander und formten so ein düsteres Dach.

Tief im inneren, im Schatten eines Baumes, konnten sie eine kleine Holzhütte ausmachen. Vorsichtig pirschten sie sich heran. Annuncio zog den schmutzigen Vorhang zur Seite, der den Eingang schützte und blickte hinein. Eine einfache Strohmatte stellte das Nachtlager dar. Ansonsten wies die Hütte nicht viel Einrichtung auf.

Verwundert über diese notdürftige Behausung entdeckten sie weiterhin menschliche Spuren, die tiefer in den Sumpf führten. Immer wieder fanden sie kleine Hütten am Wegrand und der sumpfige Boden wurde immer öfter künstlich gefestigt.

Eine größere Gruppe von Hütten erhob sich vor ihnen. Frische Spuren zeugten von einer scheuen Bevölkerung. Also beschlossen die beiden, sich zu verstecken und zu warten, ob die Einsiedler sich zeigen würden. Bald wiegten sie sich in Sicherheit und erschienen zwischen den Häusern. Eine bekannte Gestalt begab sich zu den merkwürdigen Menschen. Die Panzerhand aus Dracheneisen und die anderen schillernden Platten ließen unmissverständlich auf Georg schließen. Sie beobachteten, wie er sich mit der scheinbaren Anführerin der Einsiedler unterhielt. Schmunzelnd musste Annuncio feststellen, dass Georg durch seine Körpersprache seine Absichten nicht verbergen konnte.

Annuncio und Pai-Lin verließen den Schauplatz und kehrten zum Dorf zurück. Später am Abend kehrten die verschiedenen Gruppen in das Herrenhaus zurück. Der freie Tag schien für alle eine Wohltat zu sein. Der nächste Tag sollte jedoch wieder auf Reisen verbracht werden. Das neue Ziel war Freiburg und von dort aus über den Fluss Roth zum Meer, wo sie ein Schiff nach Avalon nehmen wollten. So betteten sich die Forscher und Kämpfer zur Ruh' und gaben sich ihren Träumen hin.

Früh brachen sie auf und ritten zu Pferd nach Freiburg. Von Weitem war das Zentrum Eisens schon zu sehen. Am rot schimmernden Fluss breitete sich ein weiter Kreis aus. Im Herzen der Stadt ragte ein gigantischer Turm auf, der Burgfried von Freiburg.

Die Stadt erwies sich als ein Mekka für Söldner. Überall zwielichtige Gestalten und bewaffnete Soldaten. Dennoch schien die Stadtwache die Ruhe selbst zu sein. Denn in Freiburg gilt die Regel, seine Meinungsverschiedenheiten entweder vor der Stadt oder ohne Waffen auszutragen. Hier erkundigte sich Georg bei seinen Kollegen der Forschergesellschaft nach Howard Temple, dem Besitzer des Tagebuchs aus der Ruine. Nach Aussagen der Forscher lebt er an der avalonischen Westküste in der Stadt Teneborc.

Vor einer mit Steckbriefen tapezierten Mauer hielten sie an. Auf die scharlachroten Drei wurde ein Kopfgeld ausgesetzt und die Bilder ließen keinen Zweifel zu. Thomé, Georg und Pai-Lin fühlten sich auf einmal sehr unwohl. Da bemerkten sie eine Gruppe Verfolger.

Thomé führte seine Begleiter in eine kleine Seitengasse, um dort einen Hinterhalt zu legen. Ein großer Eisenländer trat näher. Er stellte sich als ritterlicher Inquisitor Siegfried von Braun vor und präsentierte dabei seinen mächtigen Zweihänder. Georg erkannte, dass auch von Braun zu Genüge mit Dracheneisen ausgestattet wurde. Der Inquisitor herrschte sie an, sich zu ergeben. Als die Gruppe darauf mit Spot reagierte, griffen sie an.

Der große Zweihänder des ritterlichen Inquisitors Siegfried von Braun sauste auf Thomé zu, der jedoch elegant zur Seite schritt und zu stach. Auch Georg hieb mit seinem Breitschwert nach dem Mann der Kirche. Pai-Lin schlug mehrere Angreifer nieder. Doch als Inqisitor von Braun vor der Wahl stand, im Kampf zu sterben oder zu verschwinden, entschied er sich für die Flucht und ließ seinen Rückzug von seinen Männern decken. Sie kämpften bis zum bitteren Ende. Die Verwundeten wurden von Thomé verarztet und anschließend über ihren Herren befragt. Frisch informiert über den Feind verließen sie anschließend Freiburg.

Der Hafen am Fluss Roth war sehr eindrucksvoll. Der fehlende Glanz wurde durch übermäßige Geschäftigkeit ausgeglichen. Albert organisierte eine Passage bis zum Meer im Norden. Dort angekommen reisten sie mit einem Schiff der Vendel Liga weiter direkt nach Teneborc.

Wieder eine lange Zeit auf Reisen nutzten die ungleichen Kameraden die Zeit, sich von den Strapazen zu erholen. Nun von gleich zwei hochrangigen Inquisitoren gejagt, werden die sicheren Plätze langsam aber sicher rar. Thomé erkannte, dass er wieder gejagt wird, wie damals in einem anderen Leben.

Die Stadt Teneborc wurde in der späten Mittagssonne sichtbar. Eine stattliche Anzahl Schiffe aus Inismore lag im Hafen. Die Nähe zu der smaragdgrünen Insel förderte den Handel von Teneborc. Sie gingen an Land und ein paar Auskünfte später, wussten sie, wo sie zu suchen hatten. Eine Kutsche brachte sie vor das Haus von Mr. Temple. Sie wurden eingelassen und bald schon von dem Herrn des Hauses empfangen.

Howard Temple berichtete ihnen von seiner Reise mit Jaque de Mosseror du Pourisse und den Entdeckungen in der Ruine. Sie fanden ebenfalls die Waffenkammer, gingen jedoch weiter. Auch die große Halle mit dem Altar und der Statue fanden sie. Allerdings ruhte auf dem Altar ein Artefakt in Form einer Dreieckspyramide. Nach kurzen Untersuchungen bemerkten sie den steinernen Wächter und mussten fliehen. Das Artefakt nahmen sie dabei mit. Kurz darauf trennten sich Mr. Temple und Ludwigs Mentor, welcher das Artefakt an sich nahm. Der alte Forscher bot ihnen an, ein Schreiben aufzusetzen, mit dem sie in der Universität in Carleon Zugriff auf die Reiseberichte erlangten.

Währenddessen ging Albert zurück ins Hafenviertel, um sich nach Pai-Lins Vater umzuhören. Kurz darauf erhielt er die Information, dass es einen Menschenhändlerring im Reich Balig gibt. Die Fischerstadt Pomitain sei ein idealer Ort, um diese Verbrechen zu tarnen. Zurück bei seinem Herrn teilte Albert seine Erkenntnisse. Sofort wollte Pai-Lin aufbrechen, doch die anderen überzeugten sie, mit ihnen zu reisen und einen Zwischenstop in Carleon einzulegen. Mit einem neuen Plan gingen sie zu Bett und sammelten Kräfte für die neue Reise.

Grenzen der Moral

Die Nacht war für alle sehr aufwühlend. Thomé und Ludwig konnten nur an den Hochinquisitor und den ritterlichen Inquisitor auf Ihrer Spur denken. Pai-Lins Gedanken kreisten jedoch um die Stadt Pomitain. Wenn sie sich beeilte, würde sie ihren Vater bald in ihre Arme schließen können und seine Entführer ihrer gerechten Strafe zuführen.

Mr. Temple arrangierte für seine Gäste eine Kutschfahrt nach Carleon. Auf der Reise hatten sie Zeit, über ihr Erlebtes nachzudenken. Gemeinsam riefen sie sich die Erinnerungen an die bisherige Suche nach dem Geheimnis der Syrnethruine wach. Thomé wusste nur zu genau, dass ein jeder Pionier der Forschung bald mit einem Besuch der vatizinischen Fanatiker zu rechnen hatte. Doch wie erfuhr der Handelsprinz Villanova von dem Ziel ihrer Reise? Seine Spione waren scheinbar besser, als sie dachten.

Nach einer Woche erblickten sie, hoch oben auf einer Klippe, das Machtzentrum von Avalon und den Sitz von Queen Elaine. Dort oben, erklärte Rory, wird der Graal, das Symbol des avalonischen Abkommens mit den Sidhe, aufbewahrt.

Staunend näherten sie sich der Stadt und betraten sie neugierig. Thomé und Annuncio gingen zu einem berühmten Waffenschmied und erwarben neue Schusswaffen. Annuncio entschied sich für ein Tromblon. Gemeinsam ließen sie sich alle vor die Stadt bringen, um die gigantische Universität der Forschergesellschaft zu besuchten.

Von hohen Mauern umringt fanden sie den Komplex. Weite Gartenanlagen boten den vielen wissbegierigen Studenten einen idealen Ort zum Ausspannen und zum Lernen. Drei große Gebäude thronten über dem Gelände. Sie betraten das zentrale Haus und fanden sich in der Museumshalle wieder. Unzählige Fundstücke aus verschiedensten Ruinen Theas wurden ausgestellt. Die längliche Halle führte sie zu einem Empfangssaal, in dem sie Hilfe bei einem Assistenten der Universität fanden. Sie zeigten ihm das Dokument von Howard Temple und wurden daraufhin zum Direktor der Universität gebeten.

Vincent Bernadore ist schon lange Direktor der Universität. Sein freundliches Gesicht zeigt bereits deutliche Spuren des Alters. Das mit Grau durchzogene Haar war ordentlich zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Ein gut gepflegter Bart zierte seine Oberlippe und sein Kinn. Hinter einem mächtigen Schreibtisch aus Eiche empfing er die Gruppe. Sie legten ihm das Dokument von Mr. Temple vor und erhielten dadurch Zutritt zur mit Abstand größten Bibliothek Avalons. Das gesammelte Wissen aller mutigen Forscher wurde hier im Herzen der Universität aufbewahrt, um folgende Generationen auf das Kommende vorzubereiten.

Thomé durfte in dem offiziellen Forschungsbericht von Howard Temple und Jaque de Mosseror du Pourisse blättern. Seine Begleiter, überwältigt von dem Fundus an Büchern, stöberten nach ihren persönlichen Interessen. Der Bericht, so erfuhr Thomé, sollte sich sowohl als unbefriedigend als auch unvollständig herausstellen. Enttäuscht über die offensichtliche Sackgasse in der Kette der Hinweise begrub er das Gesicht in seinen Händen und verharrte. Doch als sein resignierter Blick ein weiteres Mal über die Seiten schwenkte, entdeckte er eine merkwürdige Folge an Buchstaben und Zahlen. Seite für Seite ergaben diese einen Sinn. Der nächste Hinweis lautete, das abgebrannte Herrenhaus von Ludwigs Mentor aufzusuchen. Ludwig bestätigte, dass es im Keller einen sicheren Raum gab, dessen Eingang zugleich wohl versteckt ist. Hier könnten Dokumente und andere Wertgegenstände das Inferno überstanden haben. So wurde Ihnen bewusst, dass die nächste Reise zurück nach Montaigne führen würde. Dorthin, wo alles begann.

Direktor Bernadore war erfreut darüber, seinen gelehrten Gästen geholfen zu haben und bat diese nun, auf ihrem jeweiligen Fachgebiet eine Gastvorlesung an seiner Universität zu halten. Thomé und Rory willigten ein. Während Thomé etwas schüchtern vor die Menge trat und dennoch ungeahntes Wissen zu Tage fröderte und die Studenten Beifall spendend den Hörsaal verließen, hielt Rory mit stolz geschwellter Brust seinen Vortrag über die Geschichte. Nach dem die angehenden Forscher auch von seinem Wissen begeistert waren, trat ein junger Mann in Erscheinung. Sein rotes Haar fiel im ins Gesicht und sein stolzer Vollbart thronte darunter. Mit einem schiefen Lächeln näherte er sich Rory, der sich bereits mit Annuncio unterhielt und klatschte in die Hände. Rory erkannte in der neuen Erscheinung seinen alten Rivalen Harold McShortern o'Toole. Früher schon, in der Heimat Inismore, trugen sie verbale Gefechte aus, die ein ums andere Mal schwerere Wunden zu fügten, als eine ehrliche Schlägerei. Doch wussten beide, dass ein physischer Konflikt die Rivalität auf eine grausame Art und Weise beenden würde, was doch keiner von beiden im Sinn hätte. So stichtelten sich beide immer weiter, bis sich Harold scheinbar fürs Erste geschlagen gab und Rory das Feld des Triumpfes überließ.

Nachdem der allgemeine Wissensdurst gestillt war, sandte Thomé seinen Sekretär, weitere Informationen zu den mutmaßlichen Entführern von Pai-Lins Vater einzuholen. Im Hafenviertel von Pomitain, so sagt man, gibt es eine Reihe unbenutzer Lagerhäuser, in denen so manche düstere Gestalt ihre Pläne verfolgt. Die junge Frau aus Cathay war wieder einmal wild entschlossen, sofort dorthin aufzubrechen, um ihren alten Vater aus den Klauen der Menschenhändler zu befreien, doch ihre Freunde baten sie, zumindest eine Nacht zu bleiben, da nach mehreren Seiten der wertvollen Lektüre die Sonne bereits tief stand.

Annuncio erinnerte sich an sein Gespräch mit den jungen Damen auf seiner Reise und animierte seine Begleiter, den heutigen Ball oben im Schloss zu besuchen. In edelste Gewänder gekleidet, betraten die Helden die königliche Feier und ließen sich ankündigen. Den ein oder anderen interessierten Blick erhaschend, stürzten sie sich ins Getümmel. Die Adeligen der Gruppe machten ihre Aufwartung vor der bezaubernden Königin Elaine. Ihr rot gelocktes Haar war zu einer komplizierten Frisur zurecht gemacht und ihr königliches Gewand schimmerte in dem klassischen grün Avalons mit goldenen Fäden durchzogen. Dicht beim Thron verharrte in vor Pracht strotzender hochländischer Würde High King James McDuff in seinem traditionellen Kilt. Rory gab Annuncio einen Seitenhieb und riet ihm, sich besser nicht darüber lustig zu machen, da die Kinder der Hochlandmarschen sehr gereizt darauf reagieren können. Ebenfalls bemerkten Sie, auf einem Stuhl im Schatten der prächtigen Wandteppiche, einen weiteren Mann im Kilt, dessen Äußeres eher auf einen zurecht gemachten Hinterweltler schließen lässt, als auf einen Höfling. Sein wachsamer Blick ging umher und fixierte jeden, der in den näheren Bereich seiner Königin trat. Eine der offensichtlicheren Gestalten stand in einer Menge von Bewunderern und Verehrerinnen. Der legendäre Lawrence Lugh, Ritter des Graals und mächtiger Kämpfer.

Die freundschaftliche Auseinandersetzung zwischen Annuncio und Rory fand einen neuen Höhepunkt, als beide auf der Tanzfläche ihr Können bewiesen und selbt die erfahrensten Tänzer zum Staunen brachten. Der Abend wurde zur Nacht und so machten sie sich auf, ihren müden Geistern und Körpern ein wenig Ruhe zu gönnen.

Früh am Morgen - zu früh für Rory und Annuncio - brachen sie nach Pomitain auf. Ein paar Tage dauerte die Kutschfahrt doch im Vergleich zu früheren Reisen war diese sehr entspannt. Die Hafenstadt Pomitain im Königreich Balig konnte man nicht wirklich als eine Augenweide bezeichnen. Die klassische Arbeiterstadt war übersäht mit Unrat auf den Straßen, verdreckten Fassaden und einem allgegenwärtigen Gestank nach totem Fisch.

Sie suchten sich eine Unterkunft und schickten Henry und Albert los, das zu tun, was sie am besten können. Pai-Lin hat seit einiger Zeit nicht mehr gesprochen. Sie verfiel auf der Reise bereits in eine Art meditativer Trance und konzentrierte sich auf ihr Ziel. Für einen flüchtigen Augenblick erkannte sie in ihrem Geist die zärtliche und fürsorgliche Präsenz ihres Vaters und wusste nun, dass sie ihm bereits sehr nahe war. Die beiden Diener kehrten zurück und berichteten, dass es tatsächlich im Hafen eine Lagerhalle gäbe, in der merkwürdige Geschäftigkeit herrschte und Albert erzählte, dass die Unterwelt hier einen Menschenhändlerring vermutete. Die Schusswaffen waren überprüft, die Klingen blank poliert und die Körper durch Willenskraft gestählt erkundeten sie den Hafen.

Bald schon entdeckten sie die besagte Lagerhalle und schlugen sich in die Schatten. Annuncio plante, das Gebäude zu umrunden, um eine Hintertür zu suchen. Mutigen Schrittes trat Pai-Lin zum Haupttor und hämmerte an die Tür. Ein Mann namens Giacumo Audatio di Rosa öffnete ihr und sie fragte, so direkt es nur ging, wo ihr Vater sei. Darauf erwiderte er, nichts über den Verbleib einer solchen Person zu wissen. Pai-Lin trat an ihm vorbei und fand sich, umringt von bewaffneten Männern im inneren der Halle wieder. Mehrere Schüsse fielen und Pai-Lins Freunde eilten ihr zu Hilfe. Schwer verwundet streckte sie mit zwei gezielten Schlägen mit ihrer berühmten Messerhand den mutmaßlichen Anführer nieder. Ludwig schlich sich währenddessen an den Gegnern vorbei und schlitzte einem von ihnen mit gezielter Präzision die Kehle auf. Dann wandte er sich im allgemeinen Chaos Pai-Lin zu, spurtete auf die Verwundete los und riss sie mit sich nach draußen. Thomé versorgte die Verletzungen, als Annuncio den Hintereingang fand und den verbliebenen Männern mit seinem neuen Tromblon den Gar aus machte. Er griff sich einen Überlebenden und bedrohte ihn, dass er sofort verraten sollte, wo sich die Gefangenen aufhielten. Dieser verriet, dass sich alle im oberen Stockwerk befinden. Außerdem quetschten sie aus ihm heraus, dass sie für die Familie Caligari arbeiteten. Bis auf Rory liefen alle so schnell sie konnten die Treppe nach oben und standen dort vor einem grausamen Anblick. Mehrere abgemagerte, verwahrloste Gestalten in viel zu engen Käfigen für Vieh. Ein Schlüssel wurde gefunden und sperrte alle Schlösser auf. Die Gefangenen Männer und Frauen des Halbmondreichs und Cathays wurden befreit und sogleich verarztet.

Annuncio wollte das untere Stockwerk überprüfen und schritt die Treppe hinunter. Im selben Moment packte Rory seine Unbedachtheit und er öffnete die nächst beste Holzkiste. Er hörte einen Mechnanismus, sah vom Deckel der Kiste einen Gegenstand auf das darin gelagerte Pulver fallen und konnte anschließend nur noch vor den Stichflammen flüchten. Eine jede Kiste explodierte in einem Feuersturm und die Feuersbrunst rollte Annuncio entgegen, der die Flammen gelassen an sich vorbei ziehen ließ und das wohlig warme Gefühl genoss. Die Lagerhalle brannte lichterloh und alle waren sich einig, das Gebäude schnellst möglich zu verlassen. Sie rannten die Straße hinunter, um Abstand zu gewinnen.

Pai-Lin war völlig aufgelöst vor Sorge. Ihr Vater war nicht unter den Gefangenen und sie suchte verzweifelt. Einer Ihrer Landsleute erzählte, dass man einige von ihnen in Kisten gesperrt hätte, woraufhin Pai-Lin in die Tiefe der Verzweiflung stürzte. All die abgebrannten Kisten. Der Gedanke war schrecklich. Doch die anderen fanden heraus, dass ein Schiff mit Kisten aus dieser Halle beladen wurde und in Kürze ab fährt. Von einer Liste entnahmen sie den Namen des Schiffs. Ludwig rannte los, schnell wie der Wind. Die anderen vermuteten, er hätte eine Spur und folgten ihm, so schnell es ging. Im Hafen blieb er am Pier eines auslaufenden Schiffes stehen und rief den Matrosen zu, sofort anzuhalten. Diese ignorierten ihn. Die anderen schnappten sich ein Seil und schwangen an Bord. Pai-Lin kletterte die Schiffswand nach oben. Erzürnt über das unbefugte Betreten seines Schiffes, brüllte der Kapitän des Schiffes die Eindringlinge an. Thomé erklärte ihr Verhalten kurz und knapp, worauf der alte Seemann empört die Gruppe in den Lagerraum geleitete.

Eine Vielzahl Kisten waren hier aufeinander gestapelt und so klopften sie erst einmal ab, ob jemand Antwort gab. Sie glaubten, ein schwaches Geräusch zu hören, worauf der Kapitän Stemmeisen orderte und seiner Mannschaft brüllend befahl, alle Kisten zu öffnen. Zehn Menschen, alle aus Cathay kamen zum Vorschein, darunter auch ein alter Mann mit langen weißen Bart. Pai-Lin erblickte den Mann und brach weinend über ihm zusammen. Bewusstlos lag er in der Kiste. Das Schiff legte wieder an und die Männer brachten die Gefangenen zu ihrer Unterkunft, wo alle mit dem Nötigsten versorgt wurden.

Rory und Georg besichtigten die schwelenden Überreste der Lagerhalle, um zu überprüfen, ob es Überlebende gab. Sie bemerkten, dass die Asche sehr kräftigen gelben Rauch absonderte. Als sie diesen einatmeten, sackten sie zu Boden und blieben liegen. Die anderen bemerkten bald das Fehlen ihrer Freunde und machten sich auf die Suche. Die gelbliche Rauchsäule über dem abgebrannten Lagerhaus fiel ihnen schon von Weitem auf und sie banden sich Tücher vor Mund und Nase. Thomé atmete versehentlich etwas Rauch ein, doch blieb bis auf einen kurzen Schwindel von den Wirkungen verschont. So konnte er erkennen, das die beiden Regungslosen lediglich in einen tiefen Schlaf gefallen sind, welcher schon bald vorüber war.

Pai-Lin wachte am Bett ihres Vaters, bis dieser zu Bewusstsein kam. Ihre Freunde wandten sich ab und ließen die Wiedervereinigung ungestört stattfinden. Sie schloss ihren Vater in die Arme und er dankte ihr für die Rettung. Außerdem nannte er sich einen stolzen Mann, da seine Tochter trotz aller Widrigkeiten eine solch schwere Aufgabe bewältigen konnte. Im Wissen, dem Ungerechten auf dieser Welt mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht zu haben, verbrachten sie den restlichen Tag zusammen mit der Schiffsmannschaft und feierten ihren Sieg.

Endlich mal eine richtige Spur

Am nächsten Tag kümmerte Thomé sich um die Überfahrt nach Montaigne. Der Kapitän des Schiffes, mit welchem die Menschenhändler Pai-Lins Vater verschiffen wollten, willigte ein, die Gruppe überzusetzen, um die Schmach der dunklen Machenschaften auszugleichen. Noch immer zog der gelbiche Rauch vom abgebrannten Lagerhaus vor einem bewölkten Himmel hinaus aufs Meer. Das Schiff legte früh am Morgen mit den Helden und den befreiten Sklaven ab. Ihr Ziel war Arisent.

Vom Achterdeck des Schiffs beobachteten Rory und Annuncio die gelbe Wolke, wie sie sich ihren Weg entlang der Küste bahnte. Pai-Lin wachte währenddessen weiterhin unter Deck am Bett ihres Vaters. Überglücklich über das Wiedersehen wollte sie ihn jetzt nur noch so schnell wie möglich in Sicherheit bringen. Thomé schlug vor, alle Sklaven auf seinem Anwesen unterzubringen, bevor ihre Rückreise arangiert wird.

Die Tage auf See verstrichen und hinterließen ihre Spuren. Rory jedoch war als erfahrener Seemann in seinem Element. Vom Krähennest aus beobachtete er den Horizont. Annuncio und Georg standen am Bug des kleinen Zweimasters. Vor ihnen bildete sich unnatürlich schnell Nebel, der schon bald das ganze Schiff umschloss. Bei genauerer Betrachtung erkannten die drei, dass sich im Nebel ein merkwürdiges Farbenspiel präsentierte. Der regenbogenfarbige Nebel bildete sich direkt vor der Bugspitze und bevor der Steuermann reagieren konnte, tauchte die Bugspitze bereits ein. Der Castillier und der Eisenländer erkannten, dass diese bereits nicht mehr zu sehen war. Rory rief sich die alten Seefahrerlegenden ins Gedächtnis und vermutete, dass dies ein Eingang in die mysteriöse siebte See sein könnte. Je weiter das Schiff in den Nebel eintauchte, desto weniger war davon zu sehen. Alle wichen zurück bis zum ersten Mast und beobachteten das Spektakel. Unter Deck konnten Pai-Lin und Thomé das beängstigende Phänomen auch beobachten, da sich auch die Wänder auflösten und verschwanden. Mutig machten Georg und Annuncio einen Satz in das Ungewisse und fanden sich auf der anderen Seite des fehlenden Schiffes wieder. Der farbige Schimmer hinter ihnen gab immer mehr vom Schiff preis und kurz darauf durchquerte auch die letzte Planke die Passage. Aufgeregt blickten sie um sich. Rory erkannte von seiner erhöhten Position eine Küste direkt vor der Bugspitze. Auf seinen Warnruf riss der Steuermann das Ruder herum, doch da lief das Schiff bereits schlagartig auf Land.

Verwirrt blickte die Besatzung des Schiffes um sich. Thomé und Pai-Lin kamen an Deck, als sich der Nebel verzog. Vor ihnen lag eine weite Ebene mit einem Gebirgszug im Hintergrund. Üppiges Grün und Orangenbäume zierten die Ländereien. Der Navigator verkündete, dass es hier kein Land geben dürfte, da sie noch mindestens eine Woche von der montaignischen Küste entfernt waren. Thomé und Annuncio erkannten das Gebirge vor ihnen. Dies war eine markante Landmarke, die nur an einem Ort auf ganz Thea vor kam. Das Sierra de Hierro in dem castillischen Rancho Gallegos. Sie verließen das Schiff und begutachteten den Schaden. Fluchend stellte der Kapitän mit seinem Zimmermann fest, dass sie Kielbruch erlitten haben und das Schiff somit untauglich zur Weiterfahrt war. Selbst wenn sie die nötigen Materialien zur Reparatur parat hätten, würde sich diese über drei Monate hinweg ziehen.

Die Helden beschlossen, den nächsten Ort aufzusuchen, um dort ihre weitere Reise zu organisieren. Einige Stunden in Richtung Nordwesten wanderten sie, bis die Häuser eines kleinen Dorfes in Sicht kamen. Der Dorfvorsteher hieß die adeligen Reisenden willkommen und bot ihnen an, mit seiner Kutsche und einem Planwagen in die nächste Stadt mit dem Namen Rioja zu reisen, wo sein Herr, Don Samuel Vasquez de Gallegos eine Residenz hat.

Die Fahrt nach Rioja verlief ereignislos. Annuncio schien dem Treffen mit dem anderen Don erwartungsvoll entgegenzublicken. Thomé dagegen sah eher angespannt aus. Er wappnete sich, einem möglichen Hinterhalt der Inquisition gegenüberzustehen.

Die edle Hafenstadt Rioja lag am Fuße eines Berges, auf welchem die uralte Festung über der Stadt thronte. Die Stadt selber bestand aus vielen kleinen Häusern. Die großen Villen der Reichen und Adeligen waren eher die Ausnahme. Der Hafen war dagegen stark ausgeprägt. Große Fischkutter und ein blühender Handel waren dort zu finden. Im Zentrum der Stadt befand sich eine prächtige Villa, auf die die Gruppe zu steuerte.

Am Eingangsportal wurden Sie als Gäste des Dons eingelassen und sogleich begrüßt. Eine typische castillische Villa präsentierte sich vor ihnen mit ihren weitläufigen Flügeln und großzügigen Gärten. Sie erklärten ihm die missliche Lage ihrer Mitreisenden und baten den Don um seine Unterstützung. Der Castillier strich sich über seinen gepflegten schwarzen Bart und dachte einen Moment nach. Schließlich entschied er sich, die Seefahrer mit Holz zu versorgen und zu versorgen. Außerdem bot er seinen Gästen an, das Abendmahl mit ihm zu teilen. Die Kochkunst in Rioja war im westlichen Castillien weit bekannt. Sie schmausten genüsslich zusammen und blieben noch für eine Nacht.

Thomé besuchte diesen Abend noch eine Kampfschule, die ihm der Don empfohlen hat. Hier wurde der Fechtkampfstil Aldana unterrichtet. Er beobachtete die geübten Kämpfer und beschloss, sich und Albert eine Mitgliedschaft als Initiat der Gilde zu erwerben. Nebenbei erfuhren sie durch das Getuschel zweier Schüler, dass ein gefürchteter ritterlicher Inquisitor wieder sein Unwesen getrieben hat. Eine kleine Widerstandsgruppe, mutmaßlich Los Vagos, wurde von ihm mit seinem Elitekavallerietrupp unschädlich gemacht. Gefangene wurden wohl nur als Vorwand genommen, da diese wohl kurz nach dem ersten Verhör verstarben. Der Name des Inquisitors war Monsignor Miguel Antonio Aldana de Torres del Castillo. Seit langem unbekannte Gefühle stiegen in Thomé auf. Vor langer Zeit, in einem anderen Leben nahm ihm dieser Mann alles. Wie ein loderndes Feuer übermannten ihn innerlich die Rachegelüste, blieb jedoch nach außen weiterhin gelassen und freundlich, wie er es sich schon so lange angeeignet hatte. Er informierte sich genauestens über den geistlichen Mörder und seine Untergebenen. Anschließend ging er in die Nacht hinaus und kehrte erst viel später wieder zurück zum Haus des Dons.

Am nächsten Tag setzten sie ihre Reise fort und baten den Don, ihre Grüße an die Seefahrer zu entrichten, die für ihren Dienst nun schiffbrüchig sind. Die Reise führte sie mehrere Tage an der Küste von Castillien entlang und folgten anschließend der Straße entlang des Gebirges. Schließlich erreichten Sie an einem warmen Sommertag das Dorf Fuente del Rio, in dem Don Annuncio beheimatet war. Er führte seine Gefährten in sein prächtiges Anwesen und wurde freudig von seinem kleinen Hofstaat empfangen. Ebenso herzlich wurde er kurz darauf im Stillen von seiner Favouritin im Dorf begrüßt.

Die Gruppe verbrachte zwei entspannte Tage zu Gast bei Don Annunico. Sie erholten sich in der Hitze des castillischen Spätsommers und Annuncio leitete alles in die Wege, eine Zwischenunterkunft für die Sklaven einzurichten, bis sich eine Möglichkeit für ihre Heimreise ergibt.

Sie ließen das kleine Dorf am Fuße der Berge hinter sich und setzten den Weg nach Montaigne fort. In der mächtigen Hafenstadt Altamira beschafften sie sich eine Passage über den Handelsfluss. Mit an Bord befanden sich mehrere reisende Händler, Reisegruppen von Adeligen und eine zwielichtige Truppe von scheinbar kampferprobten Männern.

Mit dem großen Handelsfluss hinter ihnen segelten sie in einen kleineren Fluss bis zur berühmten montaignischen Stadt Paix. Die größte Stadt südlich von Charouse ist bekannt für die unzähligen Botschaften aus nahezu allen Ländern und Regionen Theas. Die politische Aktivität hier ist in der Tat das politische Zentrum im westlichen Thea. Durch die vielen neu erschlossenen Gebiete der Stadt, die den Botschaftern genügend Platz bieten sollten, wurden jedoch nahezu ziellos bebaut. Daher trägt Paix in Montaigne den Spitznamen le Labyrinthe.

Vom Hafen aus überlegten die Helden, wie sie hier am besten unterkommen sollten und entschieden sich für das Botschaftsviertel. Etwaige Verfolger würden es nicht wagen, im Gebiet der politischen Immunität zuzuschlagen. Bevor sie weiter reisten, wollten einige der Gruppe unbedingt auf einen politischen Ball gehen, allen voran Annuncio.

Auf dem Ball herrschte reges Treiben. Diskussionen über Handelsabkommen und Bündnisse schlugen ihnen entgegen. Aber es wurde auch getanzt und so dauerte es nicht lange, bis Annuncio und Rory sich erneut auf dem Parkett begegneten und ihre Rivalität austrugen. Während sich Annuncio eine junge montaignische Adelige namens Ninette als Partnerin aussuchte, schwang Rory mit einer Botschafterin aus Vendel das Tanzbein, deren Name Margit war. Ihr Duell zog ein weiteres Mal alle Blicke auf sie und brachte die Botschafter zu Staunen, als sie zum großen Finale übergingen und Rory seinen Kontrahenten mit einer halsbrecherischen Drehung seine Partnerin herumschleuderte und sie wirbelnd wieder auffing. Als Annuncio ihm einen stechenden Blick zuwarf, blickte Rory süffisant lächelnd mit einem Funkeln in den Augen zurück.

Am Rande der Tanzfläche unterhielten sich die anderen mit den verschiedenen Vertretern der Länder. Thomé und Georg hörten Gerüchte über Inquisitoren in der Stadt, worauf die beiden unverzüglich Albert los schickten, die Waffen und Pferde zu besorgen. Dann informierten sie den Rest der Gruppe und hielten sich bereit.

Sie warteten eine ganze Weile und die Anspannung wurde immer größer. Thomé hatte seinen treuen Sekretär längst zurück erwartet. Aus Sorge beschlossen sie, sich auf die Suche zu machen. Albert kam nicht mal bei ihrer Unterkunft an, da sowohl Pferde als auch Waffen unberührt vorgefunden wurden. Eine Nachricht wurde ihnen zugesteckt, die Thomé in Rage versetzte. Er verkündete laut, dass die Inquistion Albert entführt hatte und nun Richtung Pourisse ritten. Sie haben wahrscheinlich etwas weniger als eine Stunde Vorsprung.

Thomé saß auf und ritt im Galopp voran. Die anderen taten es ihm gleich und so jagten sie durch die Nacht. Im Morgengrauen erreichten sie Pourisse. Thomé hatte eine Ahnung, wo sie die Entführer finden konnten und die Aussage einer Stadtwache bestätigte dies. Eine Gruppe von Männern ritt hinaus zum ausgebrannten Anwesen auf dem Hügel, wo früher der Edelmann und Gelehrte Jaque de Mosseror lebte. Sie trieben ihre Reittiere weiter an und erreichten den Fuß des Hügels, wo Ludwig sie bat anzuhalten. Er hatte die Idee, die Gruppe durch eben den Geheimgang ins Haus zu führen, den er auf Anweisung seines Mentors zur Flucht benutzte. Er führte sie zu einer kleinen zugewachsenen Erhöhung auf dessen Kehrseite sich ein geheimer Zugang befand. Ludwig öffente und so stiegen sie ins Erdloch.

Ein langer gemauerter Gang führte sie unter die Villa und vor einer Tür gab verkündete Ludwig, dass der Raum dahinter der Keller war. Vorsichtig öffneten sie die Tür einen Spalt und fanden den Raum verlassen vor. Jedoch nahmen sie gedämpfte Stimmen aus dem Stockwerk über ihnen wahr. Die Treppe hinauf schlichen sie bis vor den nächsten Raum, aus dem die Stimmen drangen. Sie öffneten die Tür einen Spalt und sahen den vor Wut schäumenden Inquisitor in seiner schwarz gefärbten Dracheneisenrüstung. Der selbe Mann, der ihnen schon in Freiburg auflauerte, Siegfried von Braun. Mit dem Panzerhandschuh schlug er Albert ins Gesicht, der dem Verhör scheinbar bemerkenswert stand hielt.

Sie eröffneten aus dem Hinterhalt das Feuer auf den Entführer und seine Untergebenen, als Rory ohne großartig zu überlegen in den Raum lief, in eine Kiste neben dem gefährlichen Eisenländer griff und begann, ihn mit seiner eigenen Peitsche zu bearbeiten. Unbeeindruckt schnaubte der Inquisitor und schlug mit seinem Schwert auf den bewusstlosen Albert ein. Schockiert durch diese Gräueltat hielten alle inne. Ludwig war der erste, der dem nächsten Rüpel der Kirche eine Reise zu seinem Herrn ermöglichte. Rory peitschte weiterhin wild um sich und schaffte es, den Inquisitor an seinem Waffenarm einzuwickeln. Dieser wies jedoch eine höhere Körperkraft auf und zerrte Rory die Peitsche aus der Hand. Annuncios Blick wanderte suchend durch den Raum, als sich der Gegner erneut um den schwer verletzten Sekretär bemühen wollte. Neben dem großen Mann stand der Tisch mit der großen Kiste und einer Kerze. Ein verschlagenes Grinsen huschte über sein Gesicht, als die Flammen in den Augen des Castilliers begannen, zu lodern. Auch wenn er dadurch sein Geheimnis verraten würde, war dies die einzige Möglichkeit, Albert zu retten. Mit seinem bedrohlichen Zweihänder stand von Braun über Albert, ein triumphierndes Lächeln mit einem fanatischen Blick in den Augen, als die Kerze neben ihm zu einer großen Stichflamme wurde und ihn umhüllte. Vor Schmerzen kreischend warf er sich auf den Boden und krümmte sich. Als seine Versuche, sich zu retten verebbten und seine Rufe verklangen, blickten alle auf die schwelenden Überreste.

Thomé kümmerte sich um seinen Sekretär und Freund Albert, während die anderen nach Überlebenden unter den Feinden suchten. Albert hatte eine große Wunde erlitten, die sein Herr jedoch mit Leichtigkeit verarzten konnte. In ein paar Tagen dürfte er wieder auf die Beine kommen. Sie brachten zwei Überlebende in den Keller und begannen, diese zu verhören. Sie schimpften wild über ihre Henker und bezeichneten diese als Diener der Legion. Da es sich als sinnlos erwies, diese Männer weiter zu befragen wurden sie gefesselt.

Der Hinweis, der von de Mosseror hier verborgen wurde, war dank Ludwigs Hilfe einfach zu finden. Hinter einem Regal aus Massivholz, welches durch das Feuer, welches sein Besitzer legte, arg beschädigt wurde, fanden sie eine schwere Metalltür. Als diese geöffnet wurden, entdeckten sie das geheime Archiv des mysteriösen Gelehrten. Bänderweise Bücher über die verbotenen Studien und Feldforschungen reihten sich hier auf. Alle Unterlagen schienen unversehrt. In der Schublade eines Schreibtisches entdeckten sie ein Testament, welches Ludwig zum Alleinerben des gesamten Vermögens bestimmte und ein Reisebericht über die Ruine in Vodacce. Thomé vertiefte sich in den Bericht und studierte. Ludwig setzte sich schweigend in eine finstere Ecke im Erdgeschoss und wartete. Er, Annuncio und Rory entdeckten als erste die schemenhaften Gestalten in der Dämmerung. Sie wurden beobachtet. Sie rannten hinaus, versuchten die Beobachter zu ergreifen, doch diese verschwanden genauso schnell, wie sie erschienen.

Als sie Georg und Thomé davon erzählten, konnten die beiden auch schon verkünden, was ihnen Jaque als Spur hinterließ. Thomé konnte aus den Aufzeichnungen eine geheime Botschaft entschlüsseln, die auf eine Reise nach Ussura deutete. In der Hauptstadt, Pavtlow würden sie dem geheimnisvollen Artefakt näher kommen. Jaque beschrieb recht knapp, dass er diesen Gegenstand aus der Syrneth Ruine zusammen mit einem alten Freund versteckte. Somit war das nächste Ziel klar. Doch vorerst ritten sie ein wenig weiter nach Westen, in die Provinz La Motte, wo alles begann. Hier würden sie sich noch ein paar Tage erholen, ohne vorerst die Inquisition fürchten zu müssen.

Bevor sie sich auf den Weg machten, kümmerte sich Georg in alter Tradition der Eisenländer um den gefallenen Feind. Er nahm vorerst seine Dracheneisenrüstung an sich und gab ihm die letzte Ehre eines Kriegers. Bei seinen Habseligkeiten fand er ebenfalls einen Kompass, der jedoch nicht nach Norden zeigte. Die Nadel war fixiert und konnte gedreht werden. Der Zweck dieses Instruments blieb ihm vorerst verschlossen und er legte es zu seinen Sachen. Ludwig blieb zurück, um ihre Spuren zu verwischen und das Geheimarchiv zu verstecken. Außerdem sagte er, die beiden Gefangenen müssten noch etwas versorgt werden, damit sie am Leben bleiben. So ritt die Gruppe voraus und als sie außer Sichtweite waren, wurde Annuncio neugierig und kehrte nochmal zurück. Er sah sich nach den Gefangenen um, doch konnte er sie nicht entdecken. Ludwig kam ihm aus dem Keller entgegen und sagte, dass sie unten schlafen würden. Er begleitete Annunico hinaus und folgte den anderen.

In Pays d'or verte angekommen, gönnten sich alle erst einmal ein gemütliches Bett und Schlaf. Die meisten von ihnen waren glücklich über diese Verschnaufpause. Nur Ludwig schien betrübt zu sein.

Die Front

Die Dauer der Rast ist maßgebend für die Kampfstärke der Truppe, sagte einst ein unbekannter Kommandant in den Kreuzzügen. Lange ist es her, dass die Gruppe sich in Pays d'or verte fanden und auf Grund von Ludwigs Erscheinen zu Gejagten der Inquisition wurden. Der Ort hat die letzte Begegnung mit den Fanatikern der Kirche gut überstanden. Die Schäden wurden repariert und es kam fast niemand zu Schaden. Der Schankwirt, der den Rückzug seines Herren deckte, wurde übel zugerichtet und hinkte schwer auf einem Bein. Thomé sicherte ihm beste Versorgung zu. Generell haben sich alle Bewohner des kleinen Dorfes als äußerst loyal erwiesen.

Rory genoss es, den Tag in Thomés Bibliothek zu verbringen, während sich Pai-Lin im Garten an einigen Kampfübungen versuchte. Annuncio beschäftigte sich mit der adeligen Ninette, bevor diese in ihre Heimat reisen musste. Georg polierte die Schmauchspuren aus der Rüstung des gefallenen Inquisitors.

Thomé zog es in den Nachbarort zu seiner Verwandschaft und bat dort, auf sein Lehen ein Auge zu werfen, da er noch länger auf Reisen ist. Gerne erklärten sie sich bereit, denn Blut ist ja bekanntlich dicker als Wasser.

Ihre Reiseroute erinnerte sie an ihre ersten gemeinsamen Abenteuer. Mit der Kutsche, die sie schon damals vor der Inquisition rettete, reisten sie nach Entour, wo sie sich von Ninette verabschiedeten, die in ihre Heimatprovinz Verre weiterzog. Annuncio rang sie noch das Versprechen ab, ihr zu schreiben, sobald er zurück kehren würde.

Eine Schiffspassage sollte für sie den Weg über den großen Fluss in die Eisenlande bringen, wo sie in Prachtheim einen Zwischenstopp einlegten, um den Statuten der Ehre Respekt zu zollen. Angeführt von Georg gingen sie an Land, immer auf Gefahren achtend und stiegen zu dem unglaublichen Märchenschloss auf, um den höchsten Adel zu verpflichten, die Rüstung an die Familie des Gefallenen zu übergeben.

Im Thronsaal angekommen bot sich ihnen ein merkwürdiges Bild. Die Höflinge und Hofdamen standen in großen Gruppen zusammen, runzelten die Stirn und tuschelten miteinander. Niemand schien die Neuankömmlinge zu bemerken. Vom Eisenfürst, Georg Hainzl, fehlte jede Spur. Rory und Annuncio hörten aus den Nebengänge Rufe erklingen. Der Name Mercurio wurde gerufen. Hier und da konnte man im Adel Theas vernehmen, dass Hainzl verrückt sei, doch konnten die Helden niemals wirklich glauben, dass so jemand ein Eisenfürst werden könnte und taten diese Gerüchte als Unsinn ab.

Durch die fundierten Kenntnisse über Musik des selbsternannten Barden konnte Rory mit Sicherheit sagen, dass der Name Mercurio in der Oper La Calisto stammte, in der der große Gott Jupitus sich in die Nymphe Calisto verliebte und seine Göttergattin Juno deswegen mit der Nymphe betrügen wollte. Mit Hilfe seines immer treuen Freundes Mercurio konnte er die Nymphe durch eine List davon überzeugen, ihn zu lieben. Der eifersüchtige Pan und seine Satyre verschleppten die schöne Calisto jedoch, worauf die beiden Götter zur Rettung schreiten.

An dieser Stelle konnten Rory und Thomé das Stück erkennen und teilten sich ihren Freunden mit. Anuncio packte ein schelmischer Gedanke und schon ließ er seine Stimme laut erklingen und antwortete Jupitus als Mercurio. Nun erschien ein übergewichtiger, jedoch muskulöser Mann in einer Toga und sprach zu Anuncio und gratulierte seinem getreuen Mercurio zu der listigen Verkleidung eines Wilden. Gemeinsam stellten sie die Suche nach Pan nach, bis Anuncio mit hoch erhobenen Finger auf seinen alten Rivalen Rory deutete und ihn als den ziegenartigen Pan bezeichnete. Eine nachgestellte Kampfszene wurde aufgeführt, bis der Eisenfürst mit der Attrappe eines Blitzes einen Passanten, der die Rolle eines Baumes verkörperte, über Pan fällte und somit die schöne Calisto rettete. Um seine Gefährten aus dem Stück zu befreien, sah Thomé nur die Möglichkeit, die eifersüchtige Juno zu verkörpern und Jupitus zurück in die göttlichen Gefilde zu beordern.

Ein Berater des wahnsinnigen Eisenfürsten erklärte sich als verantwortlich und bat demütigst für seinen Herren um Entschuldigung. Anschließend vereinbarte Georg mit dem Höfling, dass die Rüstung der Familie von Braun an die Nibelungen überreicht wird, die diese Rüstung an den rechtmäßigen Erben weiterleiten sollten.

So setzten sie die Reise auf dem Handelsfluss fort. Mit ihnen an Bord bemerkten sie mehrere Gruppen von eisenländischen Kämpfern, die wohl in Ussura ihre Dienste anbieten wollten.

Nach ein paar ruhigen Tagen unterwegs lief das Schiff in den Hafen der ussurischen Stadt Odyssee ein. Früh bemerkten sie die massive Präsenz der montaignischen Armee. Der Handelsfluss war nahezu blockiert von den Versorgungsschiffen der Armee.

Die vor kurzem von Montaigne besetzte Stadt diente als Brückenkopf für militärische Aktionen. Hier wurden Versorgungsgüter untergebracht und an die Front geliefert. Nachschub an Soldaten wurde ebenfalls von der Stadt organisiert. Sie suchten sich eine Unterkunft für die Nacht und begaben sich alle auf ihre Zimmer.

Tief in der Nacht zog Anuncio seine Stiefel wieder an und stahl sich aus dem Haus. Er ritt mit seinem Pferd über Umwege durch die statt. Rory, wieder von seiner Neugier mitgerissen, nahm die Verfolgung auf, fand jedoch nur tief im Inneren der Stadt das Pferd des castillischen Dons. Dieser verschaffte sich aus den Vorräten der Armee ein paar Fässer Schwarzpulver und mehrere Kannen Lampenöl. Mit diesen Materialien bewaffnet, begab er sich zum Hafen und ließ die Fässer zusammen mit einem Ölfilm den Fluss hinab treiben.

Der Morgen brach an und Rory teilte den anderen mit, dass Anuncio wahrscheinlich ein Bordell in der Stadt aufgesucht hat. Er erlaubte sich einen nächtlichen Scherz in dem er das Pferd mit sich nahm und einige Straßen weiter wieder an band. Sie beschlossen, dass er sie schon einholen würde und verließen die Stadt Richtung Norden, als eine Reihe lauter Explosionen gefolgt von einer gigantischen Feuerwalze über dem Hafen in den Himmel stieg.

Don Anuncio hinterließ das Zeichen seines inspirierenden Vorbildes, El Vago, und betrachtete zufrieden sein Werk. Jetzt musste er nur noch die Stadt schnell genug verlassen, konnte jedoch sein Pferd nicht finden. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen suchte er hastig weiter und konnte Rorys Scherz im letzten Moment durchschauen.

Er traf seine Freunde vor den Stadtmauern und erntete ein paar vorwurfsvolle Blicke. Sie folgten ihrem geplanten Weg, der sie um die Hauptstreitmachten herum in die ussurische Hauptstadt führen sollte. Eine Woche in der herbstlichen Wildnis zeigten ihre Wirkung bei den überwiegend Adeligen.

In einem Waldstück kurz vor Einbruch der Dunkelheit führte Thomé die Gruppe um einen umgestürzten Baum herum, als ihn plötzlich eine Axt aus dem Sattel riss. Angeschlagen rappelte er sich auf und fand sich in einer Guerilliatruppe ussurischer Kämpfer wieder, die von einem großen Bären angeführt wurden. Als sich der Bär auf Thomé stürzte, sprangen seine Gefährten an seine Seite und attackierten die Ussurer. Anuncio Degen und Äxte wurden gekreuzt und Anuncio beendete die Auseinandersetzung in dem er seine innere Flamme auf die Laterne an seinem Sattel konzentrierte, so dass das Licht sich in eine Stichflamme entfachte und auf den Kopf des Bären überschlug. Rasend attackierte er die Gruppe erneut, konnte danach den Flammen nicht mehr lange widerstehen.

Sie schlugen ihr Lager auf und versorgten die Verwundeten. Ein Ussurer überlebte die Auseinandersetzung und erklärte der Gruppe, dass sie für Söldner gehalten wurden und deswegen in den Hinterhalt gelockt wurden. Sie ließen den Kämpfer danach frei und gaben ihm die Waffen seiner gefallenen Kameraden und seine eigene zurück. Er erklärte ihnen noch etwas auf ussurisch, was sie jedoch nicht verstehen konnten und verschwand in der Nacht.

Der restliche Weg schien keine Gefahren mehr zu bergen, weshalb sie schon bald am Horizont die mächtige Stadt Pavtlow erblickten.

Koshchei

Alte Gemäuer, mächtige Bauten, Architektur von einmaligem Werk und ein demütiges, aber dennoch stolzes Volk. Pavtlow ist die Hauptstadt des Landes Ussura. Die Helden haben sich hier eingefunden, um nach den Entdeckungen eines verstorbenen Forschers zu suchen. Angeblich ein uraltes Artefakt, welches in falschen Händen gefährlich werden könnte. Hierher führte sie der letzte Hinweis. Ein alter Freund Jaques verbarg das Fundstück angeblich irgendwo in Ussura. Die Suchenden wussten, wie groß dieses Land ist und konnten sich keine andere Lösung vorstellen, als den alten Freund zu suchen.

Doch vorerst trieb sie ihr adeliges Blut in ein Badehaus. Gemeinsam gönnten sie sich ein paar Stunden Entspannung. Annuncio orderte eine Massage und Rory packte ein schelmischer Gedanke. Er suchte sich die gröbste Masseurin des Badehauses aus und bezahlte sie fürstlich, um Annuncio mehr als die übliche Massage zu bieten. Er genoss es fürstlich, als der castillische Adelige den Massageraum fluchtartig verließ.

Sie suchten verzweifelt eine Unterkunft in der Stadt, hatten jedoch wenig Glück. An der Universität versprachen sie sich Antworten, oder sogar den ominösen Mitverschwörer zu treffen. Also machten sie sich dorthin auf. Um dorthin zu gelangen, passierten sie die Grenze zur inneren Stadt, in der die hohen Adeligen - die Bojaren - und ihr Gefolge lebten, wenn sie in die Stadt kamen. Rory bemerkte immer wieder, wie einige Gestalten in schattigen Gassen lauerten und konnte ihre Augen auf sich spüren. Immer wieder wandte er sich um und machte kurz darauf seine Begleiter darauf aufmerksam. Um den mysteriösen Verfolgern keine Informationen zu liefern, beschlossen sie, sich aufzuteilen. In zwei Gruppen folgten sie Umwegen und Schleifen, bis sie die Universität erreichten. Angekommen im Zentrum der Stadt bot sich ihnen ein unvergleichlicher Anblick. Der glanzvolle Palast des Gaius, mit seinen bunt gestreiften Dachkuppeln, dem roten Stein und unzähligen Türmen erhob sich majestätisch und bildete nicht nur das Herz der Stadt, sondern von ganz Ussura. Hier wurden die Geschicke des Landes entschieden, seit dem die gottgleiche Matushka sich aus ihrem Schlaf erhob und ihre Kinder umsorgte, so besagte es eine einheimische Legende.

Die Universität wurde unmittelbar im Schatten des Palastes errichtet. So prunkvoll dieser war, desto schlichter wirkte die Universität neben ihm. Die mächtigen Bojaren sandten ihren Nachwuchs dorthin, um ihnen eine elitäre Bildung zu ermöglichen. Nirgendwo auf ganz Thea wurde der Wissensdurst je mit annähernd ähnlicher Disziplin verfolgt. Thomé wurde beim Direktor der Universität vorstellig und beschrieb diesem sein Anliegen. Jaque du Mosseror galt hier als angesehener Forscher und die Nachricht seines Ablebens schien den Direktor sichtlich zu betrüben. Ohne Weiteres nannte man ihnen den Namen eines in der Stadt befindlichen Bojaren, welcher für Aufklärung sorgen konnte. Anschließend ließen sich Thomé und Rory erneut dazu hinreissen, eine Gastvorlesung zu halten.

Nachdem die beiden erneut die Auditorien mit wissbegierigen Studenten fluteten, begaben sie sich erneut, aufgeteilt in zwei Gruppen, zu ihrem neuen Ziel. Auf den Straßen kam es zu mehreren kleinen Auseinandersetzungen mit Männern, die offensichtlich ihr Handwerk in den Eisenlanden erlernt hatten. Rory meinte, unter ihnen Herbert Pfeiffer, den Adjutanten des berühmten Kopfgeldjägers und Söldners Torsten Grün, erkannt zu haben. Doch konnte keiner der Männer befragt werden, da diejenigen, die nicht vor der Stadtwache flüchten konnten, gnadenlos niedergestreckt wurden.

Als sie sich wieder zusammen fanden, konnte Rory durch sein Wissen über die Söldner glänzen. Allerdings beunruhigten ihn diese Nachrichten, da diese Eisenländer dafür bekannt waren, die Prämien zu kassieren, die sie einforderten.

Wieder vereint stellten sie sich bei dem Bojaren Vladimir Sladivgorod v'Pietrov vor und wurden empfangen. Er lud sie ein, in seinem Haus zu speisen und zu übernachten. Beim Verzehr des Abendmahls besprachen sie ihr Anliegen. Der Adelige sagte, dass Jaque du Mosseror durchaus bekannt ist und schon länger mit seinem Onkel Umgang pflegte. Dieser würde sich derzeit in der Stadt Sladivgorod, weit im Osten des Landes aufhalten. So machte sich die Gruppe am nächsten Tag bereit, eine lange Reise zu beginnen.

Der bald einsetzende Winter gestaltete ihre Reise äußerst unangenehm. Besonders Don Annuncio litt unter der unmenschlichen Kälte. Er löste sein Problem, in dem er sich stets eine Ladung glühende Kohlen in die Taschen schüttete, die ihn und seine Kleidung dank der Flamme in seinem Inneren nicht schädigten.

Im Nordosten des Landes angekommen, erreichten sie nach allen Strapazen endlich Sladivgorod. Die dunklen Wolken eines Schneesturms hüllten die Stadt in eine schaurige Atmosphäre. Eine Vielzahl von Wachen und Soldaten, gekleidet in den Farben der Stadt, beobachtete jeden ihrer Schritte. Die Einwohner starrten sie für einen Moment verblüfft an, bevor sie sich erschrocken abwanden. Die Stadt zeugte von einer schlechten Führung und Armut unter dem Volk. Die grimmigen Soldaten verkörperten den Anschein einer tyrannischen Regierung. Allgegenwärtig wirkte die Furcht auf die Helden.

Ihr Ziel sollte das große Schloss auf dem Felsen direkt über der Stadt sein. Hohe Türme und unzählige Anbauten zeugten gerade zu von architektonischem Wahnsinn. Ein gewundener Pfad führte sie den Fels hinaus vor das große, schwere Portal aus altem Holz. Die Wachmänner starrten sie eine ganze Weile ungläubig an, bis sie nahe genug waren, um ihr Anliegen zu nennen. Einer der Männer öffnete die Pforte und verschwand darin. Nach einer kurzen Wartezeit wurden die großen Tore aufgeschwungen und die Gruppe wurde hineingelassen.

Im Inneren des alten Schlosses verstärkte sich die düstere Stimmung bis zu ihrem Maxiumum. Ein unsäglicher Wind setzte ein und sandte sein fürchterliches Heulen durch die düsteren Hallen. Ein Kronleuchter an der hohen Decke sorgte für unzureichende Beleuchtung und verursachte so eine Vielzahl an undurchsichtigen Schatten. Eine ganze Wand des Raumes wurde durch ein großes Gemälde eines kahlen Mannes mit dunklen Haarkranz und einem langen Kinnbart bedeckt. Die schwere, lange Pelzkleidung und der Wanderstab gaben ihm etwas von einem Hexer aus alten Legenden. Dann hörten sie Schritte auf der großen Treppe und standen plötzlich vor genau diesem Mann. Aus tiefen Augenhöhlen wurden sie von grünen Augen gemustert und der Mann stellte sich als Koschchei vor. Er hörte schon lange von dem Kommen seiner Besucher und war dementsprechend vorbereitet. Überrascht ließen sich die Besucher des mysteriösen Mannes in eine Art Abendstube führen. Unzählige Gemälde von Familienmitgliedern säumten den Weg.

Sie nahmen auf mehreren vorbereiteten Bänken und Sesseln Platz. An der Stirn wurde ein schwerer, alter Sessel mit grotesk verzierten Schnitzereien bereitgestellt, auf dem Koschchei Platz nahm. Sein furchteinflösender Blick schweifte durch die Reihen seiner Gäste. Der Mann schien bemüht, die Bittsteller freundlich anzulächeln, was jedoch aus den Augen der jungen Adeligen wie eine raubtierhafte Grimasse wirkte. Thomé schluckte den Kloß im Hals hinunter und zwang sich, sein Anliegen tapfer vorzubringen. Die krächzende Stimme Koschcheis verriet ihm, dass er von Jaques Tod schon lange vorher erfahren hatte, es jedoch nicht verhindern konnte. Er stimmte sich froh, dass sie so schnell den von ihm gelegten Spuren folgen konnten. Thomé erhielt einige Notizen des Greißes, doch hatte er Schwierigkeiten, diese im difusen Licht zu entziffern und bat um eine Kerze. Kaum waren die Worte ausgesprochen, flammten die Lichter des Kronleuchters ohne Vorwarnung höher und erhellten den Raum schlagartig. Annuncio konnte nicht fassen, was er eben sah. Der alte Ussurer benutzte die Magie der inneren Flamme. Er fragte, ob Koschcheis Blutlinie auf Castillien zurückzuführen sei, was dieser mit einem finsteren Lächeln verneinte.

Thomé entnahm der folgenden Erzählung des unheimlichen Bojaren, dass er zusammen mit Jauqe du Mosseror das pyramidenförmige Artefakt aus der Ruine in Vodacce in der Nähe des großen Sees Vigil verbarg. Er verriet ihnen, dass die beiden Männer unabhänig voneinander die Höhle, die sie auswählten, mit gefährlichen Fallen gesichert haben. Koschchei konnte ihnen versichern, dass sie vor seiner Falle nichts mehr zu befürchten hatten, aber die des montaignischen Gelehrten sei ihm unbekannt. Er riet ihnen, das Artefakt nicht mit bloßer Haut oder Metall in Berührung zu bringen und ließ eine Kiste vorbereiten, die ihnen einen sicheren Transport ermöglichen sollte. Er kündigte außerdem eine Bedrohung an, die er eine kurze Zeit verzögern, aber nicht aufhalten konnte. Sobald sie das Artefakt an sich bringen konnten, sollten sie so schnell wie möglich das Land verlassen, da die Natur die Anwesenheit des Gegenstandes nicht mehr sehr lange ertragen würde. Anschließend verabschiedete er sie alle in die Bettruhe. Sie alle wurden von einem merkwürdigen Gefühl ergriffen, als der alte Mann sie der Reihe nach fixierte und seine Augen zu funkeln schienen. Die Nacht über fühlten alle Begabten die Anwesenheit von einer übernatürlichen Kraft.

Am nächsten Morgen sahen sie den alten Mann nicht wieder und ritten los. Die Einheimischen schienen wie ausgetauscht, denn sie wurden kein einziges Mal beachtet. Sie trieben die Pferde auf Koschcheis Rat zur Eile an und erreichten nach etwa zwei Stunden den beschriebenen See. Der Anblick verschlug ihnen die Sprache, denn nie hatten sie ein größeres inländisches Gewässer erblickt. Rory mutmaßte anhand seiner Karte, dass der See die Größe Avalons hatte. Annuncio nahm eine kleine Kostprobe des Wasseers und stellte fest, dass dieses salzig ist. Der Weg führte sie weiter entlang des Ufers. Die Tierwelt verhielt sich äußerst merkwüridg. Sie konnten bei den Kleintieren im Gebüsch erkennen, dass sich diese gegenseitig jagten und auffraßen. Angewidert wandten sie den Blick wieder nach vorne.

Die von Koschchei beschriebene Halbinsel kam schon bald in ihr Sichtfeld. So ritten sie vorsichtig weiter und verließen die Straßen, bis der Höhleneingang in Sicht kam. Sie sattelten ab und eigneten sich ihre Ausrüstung an, als eine Vielzahl bewaffneter Männer aus dem Dickicht stürzte. Rory erkannte, dass es sich um die gefürchteten Kopfgeldjäger handelte. Schnell fanden sich die Gegner im Kampf und fügten einander bösartige Wunden zu. Der gut gerüstete Georg musste feststellen, dass sich Thorsten Grün selbst seiner annahm und mit seinem Florett verherende Stichte gegen seine ungeschützte Waffenhand schickte. Annuncio und Thomé standen den beiden anderen Kommandanten gegenüber. Annuncio sandte aus den glühenden Kohlen seiner Tasche eine Stichflamme und hüllte den Kopf seines hühnenhaften Gegners in eine Feuersbrunst ein. Dieser ließ sich wenig beeindrucken und stürzte sich brüllend auf den Castillier. Thomé wurde von dem zweiten Kommandanten Herbert Pfeiffer mit erbitterten Hieben eingedeckt. Rory beschäftigte mutig die Übermacht der gegnerischen Söldner mit seinen treuen Feuerwaffen, während Annuncio auf Grund der starken Belastung die Flammen erlöschen lassen. Rory erkannte im Getümmel eine Chance und trieb Herbert Pfeiffer eine Kugel seiner Pistole in den Leib, die den Eisenländer tödlich verwundete. Anschließend sprang er an Annuncios Seite und gemeinsam brachten sie den Riesen mit dem Breitschwert zu Fall. Thomé unterstützte Georg gegen den Anführer der berüchtigten Söldner, so dass der eisenländische Adelige den entscheidenden Hieb gegen Thorsten Grün schicken konnte.

Erschöpft fanden sich die Gefährten auf dem Feld des Sieges wieder feierten einen kleinen Moment ihren überragenden Sieg. Thomé versorgte einmal mehr die Wunden seiner Freunde, bevor sie sich dem Höhleneingang näherten. Gerade noch rechtzeitig erkannten sie, dass kurz nach dem Eingang ein Stolperdraht in der Höhle gespannt war, der mit Sprengsätzen an den Stützbalken verbunden war. Vorsichtig umgingen sie die Falle und begaben sich ins Innere der Höhle. Am Ende eines dunklen Ganges standen sie vor einer schweren Tür. Dahinter fanden sie eine runde Kammer, in deren Mitte ein Sockel. Darauf lag eine faustgroße, schwarze Pyramide, von der eine Art Vibrieren in der Luft ausging. Mutig schritt Georg voran, packte das Artefakt, betrachtete es einige Augenblicke und verpackte es in der Holzkiste von Koschchei und die Vibration verebbte.

Triumphiernd verließen sie die Höhle und traten ins Freie, wo sie ihre Pferde sattelten und sich sofort aufmachten, das Land zu verlassen, wie es ihnen geraten wurde.

Das Züngeln der Schlange

Es ist vollbracht. Das lange gesuchte Syrneth-Artefakt befindet sich im Besitz der Gelehrten. Wie mit dem gruseligen Hexer Koschchei vereinbart, machten sie sich nun auf den Weg, das Land so schnell wie möglich zu verlassen, da dieses durch das Artefakt einiges an Leid erdulden musste. Ihr nächstes Ziel sollte erneut Vodacce sein, wo der Handelsprinz Vincenzo Caligari auf die Feinde seines Vetters mit einem Vorschlag wartete. Gemeinsam wählten sie eine Reiseroute durch die Halbmondreiche, um den wachsamen Augen der Inquisition zu entgehen.

Ihr Weg führte sie weit in den Süden und schon bald traf sie die volle Härte des ussurischen Winters. Eines abends kletterte Pai-Lin in der Nähe ihres Nachtlagers auf einen Baum, um sich für die Wache einen besseren Überblick zu verschaffen. Ein Eichhörnchen näherte sich ihr mit untypischen Verhalten und setzte zum Sprung an. Da landete ein laut krächzender Rabe neben der jungen Frau und fixierte das wilde Nagetier mit seinen grünen Knopfaugen. Das Eichhörnchen verschwand wieder in der Nacht, Pai-Lin flüsterte dem Raben Worte des Dankes zu und berichtete ihren Freunden von der Begegnung. Schon seit einigen Tagen bemerkten sie, dass ein Rabe stets in ihrer Nähe flog. Da sie bereits die ussurische Verwandlungsmagie Pyeryem am eigenen Leib erfahren haben, vermuteten sie dahinter einen Zauber Koschcheis, der ihnen Schwierigkeiten aus dem Weg räumen wollte.

Die Stätte einer legendären Schlacht führte sie weiter in den Süden. Eine tiefe Schlucht, an deren Seiten einst mächtige Festungen das Land vor dem grausamen Eroberer Khan verteidigten, war eine der letzten Stationen vor den Halbmondreichen. Die Geschichte der Schlucht erzählt von erbitterten Soldaten Ussuras, die trotz der feindlichen Übermacht einen vollen Winter verharrten und keinen Gegner passieren ließen. So war der Khan gezwungen, den Rückzug anzutreten. Nachdem Rory die kleine Geschichtsvorlesung beendet hatte, blickten sie unzähligen scharfen Fängen von Schneeleoparden entgegen, die den weiteren Weg versperrten. Zwei Raben stürzten sich auf die Raubtiere herab und ihr Krächzen ließ die Schneeleoparden erzittern. Sie suchten das Weite und so konnten die Helden die Reise fortsetzen. Als sie das Ende der Schlucht erreichten, wussten sie, dass sie die Grenze erreicht hatten und Ussura nun verlassen würden. Pai-Lin blickte sich ein letztes Mal um und konnte einen Mann hoch oben auf einer der Festungen ausmachen. Ein Rabe landete auf seiner Schulter und er hob die Hand, um sie zu verabschieden. Sie grüßte zurück und trieb ihr Pferd wieder an.

Sie umgingen das Olympusgebirge auf östlicher Route und erblickten den Spiegel, das Meer zwischen Cathay und dem Halbmondreich. Nach einiger Zeit erreichten sie die erste Etappe in diesem unbekannten Land. Die Stadt Trebizond mit ihren hohen goldenen Kuppeln und den weißen Mauern ist eins der größten Handelszentren im Halbmondreich. Vor den Stadttoren wachten Männer mit Helebarden, die ihre Gesichter verhüllten und durch die dünnen Sehschlitze bedrohliche Blicke auf die Gruppe warfen.

Im Inneren der Stadt zeigte sich ihnen eine völlig neue Kultur. Verhüllte Gestalten trugen fürstlichen Goldschmuck, Sklaven arbeiteten hart und Händler stritten leidenschaftlich um den richtigen Preis. Fremde Sprachen erfüllten die Geräuschkulisse und nur Albert war auf Grund der Zeit mit den befreiten Sklaven aus Avalon in der Lage, rudimentäre Verständigung zu ermöglichen. Sie suchten nach einer Schreibstube für die Verwaltung des Bazaars und hatten schnell Erfolg. In dem Gebäude wurde ebenfalls gefeilscht und gestritten und als Albert fragte, ob die Möglichkeit bestünde, sich einer Karawane zur Durchquerung der Wüste anzuschließen, brachen die reichen Männer in Gelächter aus und beschimpften die Fremden. Empört über den Umgang mit Ausländern diskutierten sie vor dem Verwaltungsbüro über die nächsten Vorhaben. Ein leicht ergrauter Mann in teuren Seidengewändern und großzügig mit Goldschmuck behängt sprach die Gruppe auf theanisch an. Er lud sie in sein Heim ein und bot ihnen eine Vielfalt an exotischen Speisen. Außerdem lud er sie ein, die Nacht als seine Gäste im Haus zu verbringen. Die Männer wurden eingeladen im Haus der Frauen ein Bad zu nehmen und zu entspannen. Pai-Lin erhielt ebenfalls die Möglichkeit, ein Bad zu nehmen.

Der Händler wies ihnen den richtigen Weg, auf dem sie das Land weiter bereisen sollten. Auf keinen Fall sollten sie den Landweg nach Vodacce nehmen, da dieser von der kirchlichen Armee gesichert wird. Die sicherste Route wäre zu See über ein Schiff der Bernoulli Familie, da diese eine Erlaubnis des verstorbenen Hierophanten erhielten, die verbotene See zu befahren, um Handel mit dem Halbmondreich zu treiben. Die Schwierigkeit war jedoch, bis in eine der Hafenstädte an der Westküste zu kommen. Hierzu müssten sie die Wüste alleine durchqueren, was bereits vielen das Leben gekostet hat. Er empfahl ihnen, in eine Stadt namens Shehir'Kum zu reisen, welche sich von Trebizond aus auf dem halben Weg zum Südkapp an der Ostküste befindet. Dort könnten sie sich einer Karawane der Jadur'Rihad anschließen, dem Stamm der ein besonders freundschaftliches Verhältnis zu Cathay pflegt. Pai-Lin sollte hierbei eine Erleichterung der Verhandlungen darstellen. Sie ließen sich noch in einige Traditionen einweisen, da eine Missachtung dieser zu einer schweren Beleidigung und dann zum Kampf führen könnte.

Gestärkt durch die Unterstützung des zuvorkommenden Händlers ritten sie weiter. Die Landschaft um sie herum veränderte sich rasch von saftigen Gräsern in eine triste Steppe, die allmählich vom Sand verschlungen wurde. Auf der Hälfte der Strecke nach Shehir-Kum trafen sie auf ein Lager der wandernden Stämme, die noch so lebten, wie es ihre Vorfahren schon vor Jahrhunderten taten. Mit Hilfe Alberts verständigten sie sich und erfuhren, dass sie noch nicht weiter in die Berge gezogen sind, weil ihr Häuptling schwer erkrankt ist und man nun gemäß der Traditionen wartet und den sterbenden Mann pflegt, bis er seinen letzten Atemzug aushaucht. Da sie zum Stamm der Jadur'Rihad gehörten, zollten sie Pai-Lin besondere Erfurcht. Thomé bat darum, den Häuptling untersuchen zu dürfen, woraufhin er in das größte Zelt im Lager geführt wurde. Im Inneren fanden sich mehrere Frauen, die Nahrung zubereiteten und andere häusliche Arbeiten verrichteten. Im hinteren Teil des Zeltes wurde er zu einer abgetrennten Niesche begleitet, in der ein Mann von weit über 80 Jahren auf einem Bett lag. Neben ihm saß ein weiterer Stammesangehöriger, der ihn pflegte und behandelte. Nach Alberts Auskünften handelte es sich um den Schamanen des Stammes. Thomé begann seine Untersuchung, musste jedoch schnell feststellen, dass der Mann unheilbar erkrankt war und man nur noch sein Leiden durch schmerzstillende Mittel lindern konnte, was der Schamane jedoch schon zufriedenstellend erledigte. Er war es auch, der den montaignischen Arzt und seine Freunde dazu einlud, den Häuptling auf seinem Weg ins Paradies zu verabschieden. Sie akzeptierten.

Während ihres Aufenthaltes ließen sie sich von den Nomaden die Hintergründe des Rituals zum Übergang in das Paradies erklären. Bei der Geburt erhält jeder Mensch zwei Engel. Der erste Engel listet alle guten Taten auf, während der zweite alle schlechten Taten und Verstöße gegen die strikte Lebensweise der Halbmondreiche notiert. Wenn ein Mensch stirbt, holen die Engel die Seele aus dem Körper und entscheiden, ob sie würdig ist, das Paradies zu betreten oder bis zum jüngsten Tage vor den Toren ausharren müssen. Herrscht zwischen beiden Listen ein Gleichgewicht, werfen die Engel die Seele zusammen mit den Listen in einen Topf aus siedendem Öl. Wenn sich die Seele als würdig erweist, packen die Engel die Seele beim Schopf und ziehen sie heraus. Daher tragen die traditionsbewussten Halbmondländer lange Haare, weil sie befürchten, dass die Engel zu kurze Haare nicht greifen können.

Am zweiten Tag ihres Aufenthaltes riefen die Ältesten den Stamm zusammen. Der alte Häuptling würde jetzt seine Reise antreten. Sie versammelten sich alle im großen Zelt und bildeten einen Halbkreis um das Bett des Sterbenden. Er flüsterte mit letzter Kraft der älteren Frau an seiner Seite etwas zu und sank schließlich in sich zusammen. Die Angehörigen knieten nieder und murmelten lange Gebetszeilen, um ihrem Häuptling eine Einkehr ins Paradies zu erbitten. Die Helden hielten sich im Hintergrund, da sie die Trauergebete nicht unterbrechen wollten. Später erkannten die Forscher und Gelehrten unter ihnen, dass diese Erfahrung alleine viel über die Sitten des Halbmondreiches aussagte.

Am nächsten Tag näherte sich dem Lager eine Karawane mit ungefähr zwei Dutzend Kamelen. Ein beleibter Mann ritt voran, dich gefolgt von einem muskulösen Krieger mit dunkler Haut und zwei Katars.

Pai-Lin lief der ankommenden Karawane entgegen und begrüßte den Anführer herzlich. Abib ibn Jadim al Jadur'Rihad verhalf der jungen Reisenden auf ihrer Suche nach ihrem Vater zu einer sicheren Reise durch das Halbmondreich, bevor sie in Montaigne auf ihre Gefährten stieß. Der beleibte Händler stieg von seinem Kamel und stellte sich der Gruppe vor. Er erklärte, dass er von dem schlechten Zustand des Häuptlings erfuhr und einen Umweg von Shehir'Kum in Kauf nahm, um seinen alten Freund zu verabschieden. Sie berichteten ihm von dem Ritual und er bedauerte, dass er nicht früher kommen konnte. Beileidsbekundungen wurden ausgesprochen und Abib verkündete, noch einen Tag beim Stamm zu rasten. Die Helden erkannten die Gelegenheit und baten den Karawanenführer, ihn begleiten zu dürfen. Er willigte ein und beschrieb ihnen, dass sein Reiseziel die Stadt Zafara sein würde, welche am Südkapp des Landes lag.

So verabschiedeten sie sich von ihren Gastgebern und wünschten ihnen eine gute Rückkehr in die nördlichen Gebirge, wo der Stamm zu überwintern gedachte. Die Muglak'kum, die größte bekannte Wüste auf ganz Thea, verlangte einiges ab von denen, die es wagten, sie zu überqueren. Wochenlang nichts anderes als Sonne und Sand. Die Strapazen belasteten die Helden sehr, nur Annuncio genoss es, in der Sonne zu sitzen. Unterwegs erzählten sie von ihrer Reise und Abib lauschte den Geschichten fasziniert. Eines abends schlugen sie ihr Lager zwischen zwei hohen Sanddünen auf. Thomé verließ das Lagerfeuer und schlüpfte in seinen Schlafsack, um die eisige Kälte der Nacht zu vertreiben. Ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Knöchel und instinktiv riss er das Bein wieder aus dem Schlafsack. Eine Schlange zischte ihn bedrohlich an, während die anderen nachsahen, was der Lärm zu bedeuten hat. Pai-Lin griff mit ihrem übermenschlichen Geschick nach dem Genick der Schlange und zeigte sie Abib. Er sagte, es handle sich um eine Yilan-Viper und ihr Biss wäre hoch giftig. Thomé packte seine medizinischen Werkzeuge aus und machte einen Aderlass, um das Gift aus seinem Körper zu spülen. Sie überließen ihm die Schlange und er köpfte und häutete sie.

Nach ein paar Tagen erblickten sie das südliche Gebirge, überthront von der wichtigsten Pilgerstätte des Reiches, dem Berg Karada. Die Sonne sank tiefer, als sie sich näherten und so entschieden sie, erneut zu rasten. Am Lagerfeuer kam Abib auf die Geschichte über das Artefakt zurück und fragte, ob er diesen mysteriösen Gegenstand wohl sehen dürfte. Nach kurzer Beratung demonstrierten sie dem Händler in einem Zelt ihren Fund. Georg öffnete die Kiste behutsam und stellte es auf den Tisch. Nur kurz konnten sie die kleine, schwarze Pyramide bestaunen, bevor an dieser in einem unheimlichen, blauen Licht Zeichen auf der Oberfläche erschienen. Funken stoben und kurz darauf zuckten kleine Blitze, die von dem Artefakt ausgingen. Koschcheis Warnung kam ihnen ins Gedächtnis und Thomé drückte Pai-Lin den Gegenstand in die Hand, um es so schnell wie möglich vom Lager zu entfernen. Georg riss ihr die nun grell leuchtende Pyramide aus der Hand und sprintete hinaus in die Wüste. Die anderen blickten ihm hinterher, als das Leuchten unerträglich hell wurde und eine Sphäre aus purer Energie bildete, die Georg komplett verschlang. Explosionsartig breitete sich die Energiewelle aus und schleuderte die Beobachter zu Boden. Sie rappelten sich wieder auf, als Sand auf sie herab regnete. Dort, wo eben noch Georg stand, war nun ein tiefer Krater im Sand. Über dem Zentrum schoss ein Lichtstrahl immer höher in den Himmel und explodierte in weiter Ferne erneut mit unglaublicher Kraft. Der eisenländische Adelige lag im Sand mit dem Artefakt in der Hand. Seine Haut war schwer verbrannt und seine Dracheneisenrüstung strahlte noch einige Blitze und Funken aus, die langsam vergingen. Sie warteten ab und schafften Georg vorsichtig ins Lager. Thomé und Pai-Lin verbrachten fast eine ganze Stunde damit, ihren Kameraden zu verarzten. Tief in Verband eingewickelt schlief er die Nacht durch.

Der nächste Morgen brach an und Georg fühlte sich schrecklich schlecht. Die Verletzungen wurden gut verarztet, dennoch konnte er seine Gliedmaßen noch nicht vollständig kontrollieren. Pai-Lin erwehrte sich erneut einer Giftschlange und warf diese Weit in die Wüste.

Eine Tagesreise vom Fuß des Gebirges entfernt, kam ihnen eine einsame Gestalt entgegen. Der athletisch wirkende Mann, in schwarzen Stoffbahnen gekleidet, musterte sie durch die dünnen Sehschlitze mit stechenden Augen. Er sprach auf einer Sprache der Halbmondreiche und nur Abib konnte für sie übersetzen. Im Namen des Anführers seines Stammes überbrachte er die Einladung zu einem Gespräch. Sie würden auf dem Gipfel des Berges Ozayrat erwartet werden. Danach entfernte sich der Mann in die selbe Richtung. Abib befahl seinen Männern, noch am Nachmittag ein Lager aufzuschlagen.

Die Helden bemerkten, dass die Stimmung unter den Männern Abibs kippte und alle blickten ängstlich Richtung Gebirge. Der Händler erklärte, dass sie sich im Gebiet des Stammes der Yilan'bazlik befanden, welche die Yilan-Vipern als heilige Tiere verehrten. Um den Berg Ozayrat rankten sich viele Legenden. Wanderer berichteten von Wänden aus lebenden Schlangen, die die Wege unpassierbar machten. Schon lange traute sich niemand mehr, den Gipfel zu erklimmen. Außerdem bat er die Gruppe um Verständnis, dass sie von nun an nicht mehr mit der Karawane reisen könnten, da Abib es nicht verantworten konnte, seine Männer in Gefahr zu bringen. Im Gebirge würden sie jedoch ohne Führung zurecht kommen. Die Stadt Zafara lag unmittelbar hinter dem Hauptgebirgspass.

Am Fuß des Gebirges trennten sich ihre Wege und sie bedankten sich bei dem freundlichen Händler, ohne den sie niemals lebend bis hierer gekommen wären. Pai-Lin umarmte ihren alten Freund. So zog die Karawane weiter.

Ein gewundener Pfad schlängelte sich bis zum Gipfel hinauf. Rory wurde mulmig zu Mute und der Anblick des vom Nebel umhüllten Gipfels verstärkte dieses Gefühl. Sein Instinkt widerstrebte, sich mit dem Anführer auf dem Gipfel zu treffen und jeder Schritt vorwärts schlug ihm auf den Magen. Oben angekommen fanden sie eine Art Wohnhöhle vor, in deren Wände Hütten gemeißelt wurden. Sie konnten nicht feststellen, ob der Mann, der sie einlud, sie ebenfalls dort erwartete und sie ohne ein Wort zu sagen an das hintere Ende der Höhle führte.

Rorys Magen überschlug sich vor Unbehagen, als er die Schwelle in die große Hütte überschritt. Hinter einem Schreibtisch saß die kleine Gestalt eines alten Greises. Unter der Kapuze schimmerten raubtierhafte Augen aus dem Schatten. Ein süffisantes Grinsen jagte allen einen kalten Schauer über den Rücken. Knochige Finger machten den Anschein von Krallen. Auf dem Schreibtisch lagen mehrere Dolche und Messer zur Zierde drapiert.

Er nannte seinen Namen. Ebedi Yilan al'Kadeem. Seine Stimme klang rau und war mehr ein Flüstern. Rorys Innereien tobten und raubten ihm nahezu den Verstand. Ebedi begrüßte seine Gäste und dankte ihnen für ihr Erscheinen. Er hatte auf irgendeinem Weg von dem Syrneth-Artefakt erfahren, welches Georg mittlerweile in seinem Wams versteckte. Er wusste über seine Gefahren Bescheid und bat die Gruppe, ihm den mächtigen Gegenstand auszuhändigen, da er diesen sicher verwahren könnte. Rory protestierte lautstark, doch Ebedi unterbrach ihn schroff, weshalb Seinesgleichen sich einmischen würde. Rory erzürnte und so boten sich die beiden ein hartes Wortgefecht. Seine letzte Bemerkung schien ins Schwarze getroffen zu haben, denn der alte Mann erhob sich in einer fließenden Bewegung und forderte das Kind der grünen Inseln zu einem Duell bis zum Tode. Rory willigte ein und bestimmte die Waffen. Ein erschöpftes Lächeln schlich über seine Lippen und spuckte die Worte aus: „Wie der alte Finnigan klären wir das mit den Fäusten!“ Ebedi nickte, streckte die Arme zu beiden Seiten aus und bot Rory den ersten Schlag. Hämisch grinsend warf dieser seine Faust mit voller Kraft gegen den Kiefer seines Gegners. Unbeeindruckt senkte dieser die Arme, kündigte seinen Schlag an und einen Augenblick später sank Rory auf die Knie und hielt sich die Kehle. Röchelnd verfluchte er Ebedi auf inish.

Ebedi nahm hinter seinem Schreibtisch Platz und verspottete Rory. Er erklärte den Kampf für beendet. Die anderen halfen ihrem inishen Gefährten auf die Beine und wunderten sich über die Gnade Ebedis. Er hätte Rory problemlos niederstrecken können, doch verzichtete er darauf. Überzeugt von seiner Vertrauenswürdigkeit waren sie kurz davor, ihm das Artefakt unter heftigen, gekeuchten Protesten seitens Rory auszuhändigen. Thomé sah Ebedi tief in die Augen, als ihn ein ungutes Gefühl beschlich. Er riet seinen Freunden davon ab, das Artefakt zu übergeben, denn sie mussten Koschchei versprechen, ihre Mission zu Ende zu bringen und die drei Artefakte gemeinsam zu vernichten. Ebedi kochte plötzlich vor Wut und beschimpfte sie alle aufs Übelste. Sie wanden sich zum Gehen.

Schnellen Schrittes verließen sie die Höhle, während ihnen viele der Einwohner folgten. Der bedrohliche Anblick trieb sie zur Eile an. Ein Zischen ließ sie ein weiteres Mal nach hinten blicken und so sahen sie eine wahre Flut an Yilan-Vipern, die den Pass hinab schlängelten. Nun im vollen Sprint flüchteten sie vor den wild gewordenen Tieren. Sie kehrten zurück auf den Hauptpass und sahen, wie die Schlangen hinter ihnen eine Mauer bildeten. Die Berge boten auf diesem Reiseabschnitt eine angenehme Abwechslung zur sengenden Hitze der Wüste, doch blieb das mulmige Gefühl, verfolgt zu werden. Als sie auf der anderen Seite die felsige Gegend verließen und wieder das saftige Grün der üppigen Gärten einer Stadt vor ihnen leuchtete, atmete Rory einmal tief durch. Sie hatten Zafara tatsächlich trotz aller Widrigkeiten erreicht.

Die Kunst der Flucht

XP in diesem Abschnitt

Nur die erhaltenen Grund XP, die auch für abwesende Spieler, NSC und Henchmen relevant sind.

1. 3 2. 7 (10) 3. 4 (14) 4. 4 (18) 5. 5 (23) 6. 7 (30) 7. 4 (24) 8. 6 (40) 9. 6 (46) 10. 6 (52) 11. 7 (59) 12. 8 (67) 13. 8 (75) 14. 9 (84)

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